Gesundheit : "Die Uni will sowohl Meyer als auch Fischer" - Stimmen zur Wahl

Der Tagesspiegel fragte Professoren, Mitarbeiter, Assistenten und Studenten, wie es zu diesem Wahlergebnis gekommen ist und was nach dem Scheitern der Wahl jetzt geschehen kann

Bernd Hennigsen, Professor für Skandinavistik: "Wir Professoren sind in die Wahl gegangen in der Erwartung, dass Hans Meyer sein Reformkonzept durchsetzt. Jetzt ist es möglich, dass Meyer zurücktritt, Richard Schröder als erster Vizepräsident bis zum September die Universität leitet. Wissenschaftssenatorin Thoben könnte die Reformsatzung der HU außer Kraft setzen - dann wären wir eine nicht reformierbare Universität."

Christina von Braun, Professorin für Kulturtheorie: "Es stellt sich die Frage, ob der Fehler in der neuen Verfassung der HU liegt und im dritten Wahlgang nicht die einfache Mehrheit ausreichend gewesen wäre. In diesem Punkt müsste man für die Zukunft die Verfassung ändern, die ja sonst gut funktioniert. Ich hoffe, dass Hans Meyer die Universität weiter leitet bis zum Ende seiner Amtszeit im September."

Bernd Bank, Professor für Mathematik, ehemaliger Vizepräsident: "Die Universität muss jetzt ganz schnell für eine funktionierende Leitung sorgen und neue Kandidaten suchen. Leider haben sich unterhalb der Ebene Meyer und Fischer für die Anforderungen einer professionellen Universitätsleitung nicht die Besten um die Vizepräsidentenämter beworben"

Roland Felix, Dekan der Medizinischen Fakultät Charité: "Die Humboldt-Universität steht vor riesigen Problemen, die sie nur durch Reformem lösen kann. Besonders in der Medizin müssen wir schneller und effektiver in den Entscheidungen werden. Deswegen bin ich für die Fortsetzung des eingeschlagenen Reformkurses."

Volker Gerhardt, Professor für Philosophie: "Ich hatte gehofft, dass Meyer gewählt wird und das mit einem Vertrauensbeweis, den er verdient. Gerhard Fischer wäre als Präsident hoffnunglos überfordert gewesen."

Michael Kloepfer, Profesor für Umweltrecht: "Die Humboldt-Universität fällt in ein Vakuum. Ich hoffe, dass jetzt eine Struktur gefunden wird, um die Entscheidungsfähigkeit der Universität zu sichern."

Elmar Tenorth, Professor für Erziehungswissenschaften: "Die Professoren waren für Meyer. Gerhard Fischer war in der Dekansrunde nicht so visionär. Wenn es um konkrete Umsetzung ging, haben wir von ihm nichts zu hören bekommen."

Markus Pflaum, Mathematiker: "Herr Meyer hat die Sorgen des wissenschaftlichen Nachwuchses nicht ernst genommen. Fischer ist ein Mann der neuen Medien. Das Thema kommt auf uns zu."

Karla Schmidt, Buchhistorikerin: "Offenbar will die Universität sowohl den Pragmatismus Meyers als auch Fischers Visionen."

Verena Hahn, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Volkswirtschaftslehre: "Ein sehr unbefriedigender Ausgang. Jetzt ist es Sache des neuen Konzils, sich damit zu beschäftigen."

Bernd Schilfert, Student: "Herr Fischer ist ein Visionär, dessen Ideen sich mit Humboldt decken. Ein von Herr Meyer geführtes Schiff hätte keinen klaren Kurs."

Oliver Stoll, Student: "Herr Fischer hat für die Studenten ein offenes Ohr. Das haben wir bei zahlreichen Vorgesprächen gemerkt. Herr Meyer hat uns über ein Jahr lang überhaupt nicht empfangen. Wenn er seine Reformen retten will, muss er jetzt die Konsequenz aus der heutigen Niederlage ziehen. Es gibt gegen ihn ein grundsätzliches Misstrauen in der Universität."

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