• Die Universitäten können von uns lernen Sollen die Fachhochschulen Bachelor- und Masterstudiengänge anbieten? Natürlich! / Von Gerhard Ackermann

Gesundheit : Die Universitäten können von uns lernen Sollen die Fachhochschulen Bachelor- und Masterstudiengänge anbieten? Natürlich! / Von Gerhard Ackermann

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Die Geschichte ist so alt wie die Fachhochschulen, und sie wird nicht besser dadurch, dass man sie immer wieder erzählt. Die Fachhochschulen, so heißt es, schielen mal wieder nach den Universitäten. Dieses Mal, weil sie Bachelor und Masterstudiengänge veranstalten wollen. George Turner nimmt das in seiner These „Die Fachhochschule spielt Universität“ (Der Tagesspiegel vom 19. April) zum Anlass, um all die alten Vorurteile gegen diese wirkliche Innovation des deutschen Hochschulwesens – inzwischen von vielen anderen Ländern kopiert – erneut vorzuführen.

Er behauptet, dass die Praxisorientierung der Professorinnen und Professoren an Fachhochschulen eine Mogelpackung sei. Wahr ist, dass nur mit einer fünfjährigen Tätigkeit außerhalb der Hochschule eine Anstellung an einer Fachhochschule in Berlin erfolgen kann. Und das ist ständig geübte Praxis. Aber die wissenschaftliche Grundlage muss auch stimmen. Deswegen kommen die Professoren an Fachhochschulen nach Studium und Promotion oft auch aus dem Mittelbau der Universitäten oder aus der Assistentenschaft, aber nicht ohne Praxiserfahrung.

Er stellt auch fest, dass die Fachhochschulen im Bereich der Forschung tätig sind. Das ist – Gott sei Dank – wahr. Eine praxisorientierte Lehre auf wissenschaftlicher Basis erfordert zwingend, dass die Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer ganz aktuell auf ihrem Gebiet bleiben. Natürlich ist die Forschung immer sehr anwendungsnah und entwicklungsorientiert. Davon zeugen Tausende von Diplomarbeiten, die Berliner Fachhochschulabsolventinnen und -absolventen in der Industrie des In- und Auslands und auch an außeruniversitären Forschungseinrichtungen durchgeführt haben und weiter durchführen.

Es ist immer wieder das gleiche Dilemma. Wir, die wir die Fachhochschulen aus eigener Erfahrung kennen, an Universitäten promoviert haben und in der Industrie Praxiserfahrung gesammelt haben, wissen, wovon wir sprechen. Davon zeugen unsere Veröffentlichungen und unsere Patente. Leider kann man das von vielen Vertretern universitären Denkens nicht behaupten, die nur die Universität kennen.

Dass Fachhochschulen Bachelor- und Masterstudiengänge veranstalten, ist Fakt. Es jetzt zu beklagen, geht an der Wirklichkeit vorbei. Dennoch zeigen alle Abschlüsse die klare Handschrift der Fachhochschulen. Dieses verdeutlicht zwingend das Diploma Supplement, der Anhang zum Zeugnis. Das stiftet nicht Verwirrung, sondern Klarheit.

Wer ganz schnell etwas über Berliner Fachhochschulen lernen will, denke an die Zahlen 10, 20, 30. Sie bedeuten: Die Berliner Fachhochschulen verfügen über 10 Prozent der finanziellen Mittel, die Berlin für seine Hochschulen insgesamt ausgibt, über 20 Prozent aller Studierenden und schaffen 30 Prozent aller Absolventinnen und Absolventen der Berliner Hochschulen. Das unterstreicht, was in dem Artikel von Herrn Turner nicht erkennbar ist: Die Fachhochschulen stellen die praxisorientierte Lehre in das Zentrum ihrer Aufgaben – in Übereinstimmung mit dem Berliner Hochschulgesetz. Und sie sind dabei offensichtlich sehr erfolgreich.

Der Autor ist Präsident der Technischen Fachhochschule (TFH) in Berlin-Wedding.

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