Gesundheit : Die Universitäten singen in Moll

Weniger Professoren und Studenten: So spart Berlin

Uwe Schlicht

Der Berliner Senat hat entschieden. Wer es vorher noch nicht wusste, dem hat der Rücktritt von Staatssekretär Peer Pasternack die Augen für das doppelte Gesicht der Sparauflagen geöffnet. Im Vergleich zu den Forderungen von 300 Millionen Euro, die der Finanzsenator aus den Universitäten heraussparen wollte, ist die Begrenzung der Sparsumme auf 75 Millionen Euro ein Erfolg. Kann man deswegen verkünden, dass die Priorität für die Wissenschaft in Berlin gewahrt worden ist? Die Berliner Politiker preisen den Erfolg angesichts der Haushaltsnotlage. Die Universitätspräsidenten dagegen unterlegen ihren Gesang mit Molltönen. Die Sparauflagen haben einen Januskopf: die Etatkürzungen beim Personal in Höhe von 75 Millionen Euro und die Einsparungen bei den Investitionen, wo der Verzicht auf Neubauten bis zum Jahr 2007 etwa 170 Millionen Euro ausmacht. Was bei den Personaleinsparungen in Grenzen blieb, ist bei den Bauinvestitionen grenzenlos geworden.

Jetzt gehen die Hochschulpräsidenten wieder in die nächste Runde der Verhandlungen über die Hochschulverträge für die Jahre 2006 bis 2009. Der Präsident der Humboldt-Universität, Jürgen Mlynek, rückt den Verzicht auf neue Bauinvestitionen in den Vordergrund: „Die Entscheidungen zeigen, dass der Senat der Wissenschaft nicht die Priorität zuweist, die sie verdient.“ Als besonders ärgerlich empfindet es Mlynek, dass bei der Einsparung von 170 Millionen Euro auch auf 85 Millionen Euro an Bundesmitteln verzichtet wird. Denn der Hochschulbau wird je zur Hälfte vom Bund und dem Land finanziert. „Es ist skandalös, dass die Bundesmittel so einfach weggegeben werden.“ Der zentrale Versorgungsring für die Forschungsinstitute und Kliniken an der Charité soll nicht geschlossen werden und die Sanierung von Operationsräumen wird verzögert.

An der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft herrscht tiefe Enttäuschung. Denn erst im März hatten Senat und Abgeordnetenhaus nach jahrelangem Hin und Her eine langfristige Investitionsentscheidung für die FHTW getroffen, einen neuen Campus in Oberschöneweide zu errichten. Es sind nicht nur die Gelder dafür gestrichen worden, sondern auch noch das Geld für ein Gebäude am Warschauer Platz. Die Vizepräsidentin der FHTW, Katrin Hinz, kommentiert: „Jetzt wissen wir, dass die Halbwertzeit für Senatszusagen drei Monate beträgt.“

Auch die Studienplätze werden durch die Sparauflagen verringert. Ihre Zahl hängt von der Ausstattung der Studiengänge mit Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern ab. Bei einer Sparsumme von 75 Millionen Euro können auf jede Universität Belastungen von 25 Millionen Euro zukommen. An der Technischen Universität wird ein Verlust von etwa 60 Fachgebieten für möglich gehalten. Das entspricht der Aufgabe von 60 Professuren samt Ausstattung mit jeweils zwei Assistenten und zwei Stellen für Laboranten. An der FU wird mit der Einsparung von etwa 50 Professuren mit jeweils zwei Assistenten und einer halben Sekretärinnenstelle gerechnet.

In der Humboldt-Universität erwartet Präsident Mlynek starke Einbrüche bei den wissenschaftlichen Mitarbeitern. Denn die Humboldt-Universität in Mitte hat einen anderen Altersaufbau bei den Wissenschaftlern als die beiden Universitäten im ehemaligen West-Berlin. Wenn Einsparungen wirksam werden sollen, kann man auf Professuren erst dann verzichten, wenn die Wissenschaftler in den Ruhestand gehen. Das ist in den nächsten Jahren häufig an FU und TU der Fall. An die Humboldt-Universität dagegen sind nach der Wiedervereinigung viele jüngere Wissenschaftler berufen worden. Deswegen werden die Einsparungen vor allem die wissenschaftlichen Mitarbeiter treffen.

Auf jeden Fall wird der Verzicht auf Professuren auch zur Einstellung von Studiengängen und Studienplätzen führen. Vor diesem Hintergrund fordern die drei Universitätspräsidenten von Wissenschaftssenator Thomas Flierl einen Verzicht auf den Fachhochschulstrukturfonds. Das heißt, die Universitäten wollen nicht 13 Millionen Euro an die Fachhochschulen zahlen, damit dort neue Studienplätze aufgebaut werden können.

Außerdem sehen die Universitätspräsidenten die künftigen Hochschulverträge in engem Zusammenhang mit dem geplanten Hochschulgesetz für Berlin. FU-Präsident Dieter Lenzen sagt: „Um die Einsparung zu bewältigen brauchen die Hochschulen mehr Autonomie. Wir werden keinen Vertrag unterschreiben, in dem nicht die Freiheit zu unternehmerischem Handeln gewährt wird.“

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