Gesundheit : Die Universitäten zeigen auf der IFA die virtuelle Lehre - das uniRadio bietet einen Online-Studienführer

Heiko Schwarzburger

Seit Hans Pfeiffers Bericht ("Pfeiffer mit drei F!") sind die Sprüche Lehrer Bömmels Legende: "Also, wat is en Dampfmaschin? Da stelle mer uns janz dumm . . .". Auch vor Jürgen Kirstein steht eine Dampfmaschine, besser gesagt: ihr Modell auf einem Bildschirm gezeichnet. Ein Klick mit der Computermaus - auf dem Monitor erscheint eine kleine Hand.

Sanft führt sie Kirstein über das Pleuel, also die Schubstange des Modells, das sich prompt in Bewegung setzt. "Das läuft wie bei einem Puppentrickfilm", erklärt er. "Wir haben die verschiedenen Stellungen des Modells abfotografiert. Im Rechner entsteht der Eindruck, als würde sich das Pleuel tatsächlich durch die Computermaus bewegen." Die Hand am Pleuel schiebt den Kolben in den Zylinder, der Zylinder öffnet ein Ventil, Dampf wird abgeblasen, und dat andere Loch, dat krieje mer später. Alles läuft wie im echten Klassenraum. "Mit dieser Technik können wir Experimente in Schulen und in Hörsälen beliebig oft wiederholen," meint Kirstein.

Als nächstes ruft er eine optische Achse auf, dreht mit der Maus hier einen Spiegel, dort einen Polarisationsfilter, rein virtuell, versteht sich. Das eingeblendete Messgerät in der oberen Bildschirmecke zeigt an, wie sich der Lichteinfall verändert. Diese Sequenz stammt von der ersten CD, die die Didaktiker der TU Berlin für den Physikunterricht vorbereitet haben (Klett-Verlag, 79 Mark). "Sie behandelt die Optik-Experimente der zweiten Sekundarstufe", sagt Jürgen Kirstein. "Demnächst werden wir das Medium auch in den Physikvorlesungen für Ingenieure einsetzen."

Zur IFA steht für die interaktiven Bildexperimente sogar eine Internet-Version bereit ( www.ifpl.tu-berlin.de ), die Kirchstein direkt vom Messestand aus ansteuert. Der Computer gibt außerdem in die Seiten integrierte Wertetabellen aus oder bietet dem Studenten kniffligen Denksport aus einem Aufgabenpool. Kirstein spinnt den Faden weiter: "Denkbar wäre, solche hoch komplizierten Experimente wie in Teilchenbeschleunigern direkt in den Hörsaal zu holen." Er lädt sich ein virtuelles Physikbuch vom Institutsserver, blättert darin, alles mit seiner Maus. "Stellen Sie sich vor, Sie klicken jetzt ein Schema an und können sofort mit dem Experiment beginnen. Das wäre ein wirklich lebendiges Physikbuch."

Auch der Nachbarstand bietet didaktische Neuheiten. Die Technische Fachhochschule (TFH) präsentiert sich dort als Mitstreiter im Projekt "Virtuelle Fachhochschule", an dem zwölf Fachhochschulen, zwei Unis und einige Firmen basteln. In einem ersten Abschnitt sollen die Lehrpläne zum Wirtschaftsingenieurwesen und zur Medieninformatik als Internetkurse aufbereitet werden. Später könnten weitere Studiengänge folgen. Ob das die Profs überflüssig macht? Stefan Müller von der TFH winkt lachend ab: "Die Professoren müssen per Chat oder Videokonferenzen ihre Kurse einführen und die Tutoren anleiten", meint er.

Dazu könnten auch die Module kommerzieller Anbieter aus dem Ausland angemietet werden. Mit der virtuellen Fachhochschule ( www.vfh.de ) will man zudem groß ins Geschäft mit der Weiterbildung einsteigen. "Interessierte Firmen können sich bei uns anmelden und die Lehrmodule abrufen", so der Projektbetreuer. "Aber die meisten Nachfragen hier auf der Messe kommen von anderen Fachhochschulen oder von Universitäten. Viele Profs wollen ihre Vorlesungen auch im Internet anbieten. Das ist eine riesige didaktische Herausforderung."

Ganz neu ist der Auftritt von uniRadio im Internet, gleichfalls am Gemeinschaftsstand "Hochschulen interaktiv" in Halle 6.3 (direkt am Pressezentrum). Eine Gruppe von drei Praktikanten und einem Tutor legte innerhalb von drei Monaten ein umfassendes Servicepaket für die Berliner Studenten auf. Der gut strukturierte und übersichtliche Online-Studienführer von uniRadio vereint Tips und Informationen über die Studienangebote in Berlin, über Bafög, Stipendien, nützliche Bücher, preiswertes Wohnen, Jobs, Praktika und vieles mehr ( www.campus-berlin.de ). "Neben den Infos wollten wir auch unser Insiderwissen anbieten", plaudert Ines Krause von der Online-Redaktion bei uniRadio. "Mit den unübersichtlichen Informationsangeboten der Unis haben wir leidvolle Erfahrungen gemacht, die wir anderen Studenten gern ersparen." Sie studiert Germanistik an der TU und Kulturwissenschaften an der Humboldt-Uni, ihr Kollege Erik Lettkemann Geschichte an der TU. "Von HTML-Programmierung hatten wir am Anfang keine Ahnung", bekennt er. "Später haben wir selbst seitenweise programmiert." Jetzt werden dringend Kommilitonen gesucht, die das Angebot ausbauen und pflegen.Kontakt zum uniRadio auf der IFA: Tel. 0172 / 783 67 99. Tel. uniRadio: 841 727 101.

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