Gesundheit : Die Vorlesungen der Zukunft finden vor dem heimischen Computer statt

Uwe Schlicht

Nach der Humboldtuniversität und der Technischen Universität hat am Mittwoch auch die Freie Universität den Nummerus Clausus für die Informatik vom kommenden Wintersemester an beschlossen. Trotz Greencard-Debatte und dem geplanten Sonderprogramm zur Förderung der Informatik, das Bundeskanzler Schröder angekündigt hat, entschloss sich der akademische Senat mit großer Mehrheit zu diesem Schritt.

FU-Präsident Peter Gaehtgens begründete die Zulassungbeschränkungen wie folgt: Die Freie Universität müsse den NC beschließen, weil sonst die Informatik in Dahlem von Studienbewerbern überschwemmt würde, die von TU und Humboldtuniversität abgewiesen worden sind. Da unter diesen Bedingungen sich die TU und die HU bereits die besten Bewerber für das schwierige Informatikstudium ausgesucht hätten, würde der zusätzliche Ansturm auf die FU vor allem von nicht so gut qualifizierten Bewerbern geprägt. Vor einer solchen Umverteilung müsse das Fach bewahrt werden. Nur durch die Zulassungsbeschränkung könne die Qualität der Informatik an der FU gewahrt werden. "Die FU hat keine andere Wahl." Obwohl nur 200 Studienplätze zur Verfügung stehen, hatte die FU-Informatik im vergangenen Wintersemester 286 Studienanfänger aufgenommen. Das heißt, schon heute besteht eine Überlast in diesem Fach an der FU. Eine Überschreitung dieser Zahl hält die FU nicht mehr für möglich.

Gaehtgens spielt bei seiner Politik auf die Tatsache, dass unter den Bedingungen des Nummerus Clausus eine Bestenauswahl nach dem Abiturnotendurchschnitt erfolgt, die ohne Zulassungsbeschränkungen nicht möglich ist. Eine Rolle bei der Entscheidung spielt auch die Tatsache, dass bereits in früheren Jahren teilweise in der Informatik ein Nummerus Clausus beschlossen worden war. Die dann aufgenommenen Studienanfänger hatten auch bessere Chancen, den Abschluss zu erreichen, als die Studienanfänger in den nc-freien Semestern. Die Schwundquote bei den Studierenden, die ohne Zulassungsbeschränkung und damit ohne Qualitätauswahl aufgenommen worden sind, liegt zur Zeit zwischen 30 bis 50 Prozent. Gaehtgens betonte der Wirtschaft sei am meisten damit gedient, die Zahl der Absolventen in der Informatik zu erhöhen und die hohen Quoten an Studienabbrechern zu senken.

Gleichzeitig stellte Gaehtgens heraus, dass trotz der hohen Sparauflagen die die FU zu bewältigen hat, der Informatik geholfen werde. In der Informatik würden die Stellen für die Assistenten zu 100 Prozent besetzt und nicht wie in den anderen Fächern nur zu 80 Prozent.

Die Dekanin des Fachbereichs Mathematik und Informatik, Elfriede Fehr, wies auf die personelle Unterausstattung des Faches hin. Die Informatik liegt bei dem Verhältnis der Studierenden zum wissenschaftlichen Personal unter dem Durchschitt anderer Naturwissenschaften an der FU. 1996 hatte eine Expertenkommission des Wissenschaftsrats eine Zahl von 12 bis 14 Professuren in der Informatik für nötig gehalten - zur Zeit hat die FU-Informatik jedoch nur acht besetzte Professuren, sie bildet aber mit dieser Zahl der Hochschullehrer die doppelte Menge von Studierenden aus als vor sieben Jahren. Im Wintersemester 1993/94 waren es 450 Informatikstudierende, heute werden 851 Informatikstudierende an der FU gezählt. Unter diesen Bedingungen muss zum Beispiel das Fach Programmierkurse mit 145 Teilnehmern anbieten. Wenn dauerhaft 300 Studienanfänger pro Jahr auszubilden seien, müsste ein zusätzliches Rechnerlabor mit 16 Arbeitsplätzen geschaffen werden, betonte die Dekanin. Das erfordere Investitionen in Höhe von 160.000 DM, die die FU nicht zur Vefügung stelle könne. FU-Präsident Gaehtgens rief die Wirtschaft auf, sich hier an den Investitionen zu beteiligen.

Die letzte Entscheidung über die tatsächlichen Anfängerzahlen in der Informatik und über die Verhängung eines Nummerus Clausus fällt der Wissenschaftssenator.

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