Gesundheit : Die Wahrheit dem Lachen preisgeben: Lehrstuhl für Loriot Deutschlands Senior-Komiker wird Honorarprofessor in Berlin

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Bernhard Victor Christoph Carl von Bülow ist vom Senat der Berliner Universität der Künste (UdK) zwar nicht zum Humor, doch ausdrücklich zum Honorarprofessor für das Fach „Theaterkünste“ bestellt worden. Der Kandidat sei ein „theatralisches Ereignis – schreibend, spielend, inszenierend“, begründet Andreas Wirth, Dekan der Fakultät Darstellende Kunst, die Entscheidung für den 79-Jährigen. Solch eine Berufung kann laut Paragraph 116 des Hochschulgesetzes nur erhalten, „wer in seinem Fach auf Grund hervorragender wissenschaftlicher oder künstlerischer Leistungen den Anforderungen entspricht, die an Professoren und Professorinnen gestellt werden“. Dass von Bülow, der im letzten Jahrtausend unter dem Namen Loriot zum komischen Senior sanfter nationaler Selbstverspottung aufstieg, diesem akademischen Profil unbedingt Genüge tut, haben vor seiner Berufung zwei gewissenhafte professorale Gutachter dargelegt.

Der Tübinger Germanist Walter Jens bezeichnet den Unterhaltungskünstler, an dessen Seite er selbst – die Korrespondenz zwischen Friedrich II. und Voltaire rezitierend – das gebildete Publikum der Republik amüsiert hatte, als „grundgescheiten und umfassend belesenen Praktiker und maître grandparleur“. Sein Berliner Kollege Peter Wapnewski lobt von Bülows Befähigung, „im Lachen die Wahrheit zu sagen, die Wahrheit dem Lachen preiszugeben, im Lachen die Wahrheit zu enthüllen.“ UdK-Sprecher Jörg Kirchhoff wiederum preist nicht zuletzt den Loriot-Gutachter Jens, der in meisterhaften elf Zeilen die Qualifikation des Ehrengelehrten begründet habe, während sonst solche Gutachten drei Seiten nicht unterschreiten.

Künftig darf Bernhard Victor Christoph Carl von Bülow, der selbst in jahrelangem Pointenfeinschliff – eindrucksvoller als Rezitationskollege Jens – die Beherschung seiner kleinen satirischen Form zum Großereignis entwickelte, den Titel „Professor“ tragen. Die offizielle Ernennung des bekennenden Spötters erfolgt im April. Hätte Loriot nur Titularprofessor werden wollen, müsste er dafür, so ist das in Berlin, erst Museumsdirektor werden. Dieser Umweg ist dem preußischen Musenfreund erspart geblieben: Als Ehrenprofessor darf er zudem echte Vorlesungen halten, die ersten im Sommersemester. tl

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