Gesundheit : „Die Welt auf den Kopf stellen“

Der Philosoph Volker Gerhardt über die „Humboldt-Kinder-Uni“

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VOLKER GERHARDT (59)

ist seit 1992 Professor für Praktische Philosophie (Schwerpunkt: Rechts und Sozialphilosophie) an der Humboldt-Universität.

Foto: privat

Herr Gerhardt, Sie werden am Donnerstag die erste Humboldt-Kinder-Uni eröffnen, mit einem Vortrag zur Frage „Warum wollen wir eigentlich etwas wissen?“ Bestimmt kommen mehrere hundert Kinder …

Bei der Hamburger Kinder-Uni waren es über tausend!

Genau deswegen die Frage: Sind Sie aufgeregt?

Ich freue mich! Ich freue mich auf das Experiment und bin gespannt, ob es mir gelingt, die Antwort so zu geben, dass die Kinder sie verstehen. Es gehört zu meinem Beruf, philosophische Probleme auch Menschen nahe zu bringen, die nicht wissenschaftlich vorgebildet sind, und ich stelle zum Glück fest, dass dies nicht unmöglich ist.

Vielleicht ist es sogar stimulierend?

Ganz gewiss! Kinder gehen ja mit Warum-Fragen viel unbefangener um als Erwachsene, und sie haben die Fantasie, die man für Forschung und Lehre braucht. Wir benötigen ja nicht nur Neugierde, Ausdauer und Aufmerksamkeit, sondern auch die Lust, mit den Dingen spielerisch umzugehen. Gelegentlich muss man, um ein Problem zu lösen, die Welt auf den Kopf stellen.

Werden Sie Ihre Vorlesung genauso halten wie vor Ihren Studenten?

Für die Kinder-Uni habe ich einen völlig neuen Text geschrieben, aber ich werde ihn genauso vorzutragen suchen, wie ich das vor meinen Studenten gewohnt bin. Ich hoffe nicht, dass ich die Kinder damit überfordere. Trotz des Fernsehens können Kinder sehr wohl in der Lage sein, einen Gedanken zu verfolgen. Philosophieren heißt in erster Linie, selber denken. Das wird durch das Mit-einander-Denken stimuliert.

Was können Sie als Professor den Kindern vermitteln, was ein guter Lehrer ihnen nicht auch erklären könnte?

Ein tüchtiger Lehrer kann ihnen die Philosophie wohl besser nahe bringen als ein Professor, der nur eine Stunde lang vor über hundert Gästen steht. Aber bei der Kinder-Uni erleben die Schüler eine andere Atmosphäre, sie kommen in ein anderes Milieu, von dem ich hoffe, dass es ihnen Anregungen gibt. Sie lernen eine Institution kennen, die auf sie angewiesen ist. Wir brauchen Studenten, die viel von der Universität erwarten. Die Kinder-Uni ist ein Zeichen dafür, dass sich die Uni öffnet, dass ihr die Kinder wichtig sind.

Das Gespräch führte Dorothee Nolte.

Die Vorlesung von Volker Gerhardt beginnt am Donnerstag, den 8. Januar, um 17 Uhr im Audimax der Humboldt-Universität (Unter den Linden 6). Mehr Informationen sind über die Kinder-Uni unter www.hu-berlin.de/kinderuni oder unter der Telefonnummer 2093 2828 zu erhalten.

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