Gesundheit : Die wilden Harten und die soften Ruhigen

ANJA KÜHNE

Ein Rundgang durch die studentischen Cafés an der FU / Refugien für jeden GeschmackVON ANJA KÜHNEAn der FU trinkt man seinen Kaffee nicht schwarz, sondern bunt: Jedes der von Studierenden betriebenen Cafés hat sein eigenes Flair und eigene Fans.Für die Flughafenatmosphäre der Cafeteria entschädigt in der Rostlaube ein besonders dichtes Angebot.Betritt man das Histo-Café (KL 29/127b), das Historiker-Café, kann man getrost tief durchatmen: Man befindet sich in einer Nichtraucherzone.Den Mantel der Geschichte hat der Raum abgeworfen, seit die antiken Sofas im Müllcontainer verschwunden sind.In dem sachlichen Raum gibt es wenig zu essen, dafür aber Studienberatungen für Erstsemester durch den Café-Dienst. Im Furiosa, dem Café nur für Frauen (JK 30/135), geht es trotz des kämpferischen Namens meist eher ruhig zu: Im Hintergrund singt eine softe Frauenstimme, Kommilitoninnen sind in ihre Bücher versenkt, und auf dem Tresen wartet Biokäse auf Abnehmerinnen - oftmals zu lange, wie Mitarbeiterin Katharina Röpcke findet: "Das Café kommt momentan nicht richtig in die Gänge." Am Dienstag abend bleibt jedenfalls nie eine Stulle übrig: Dann tagt hier um 18 Uhr das Projekttutorium "Der lesbische Blick". Legendäre Schrippen und einen Fernseher bietet das Romanische Café (J 32).Gäste wählen aus Speisekarten aus, in denen man auch das Programm für die italienischen und spanischen Videofilm-Abende (mittwochs, 18 Uhr) findet.Leider klauen die Besucher: Im letzten Jahr mußten die Café-Betreiber hundert Leihtassen ersetzen. "The show must go on", singt Freddy Mercury aus den Boxen des Sportlercafés (K 25/21): Das Institut für Sportwissenschaften der FU soll gegen den Willen der Studierenden abgewickelt werden.Doch auch wenn hier bald keine Sportler mehr Joghurt an den Marmortischen essen, wollen die Mitarbeiter das Café erhalten.Psychologen genießen in exponierter Lage selbstgebackenen Kuchen und Schnittlauch, der auf dem Dach angebaut wird: Im PI-Café (K 23/239).Es liegt im Turm im zweiten Stock - mit schöner Aussicht und Dachterrasse. Das mit Abstand am meisten frequentierte Café an der FU ist der Rosa Salon (JK 30/231), der von einem Dutzend schwuler Kommilitonen betrieben wird.Zu Stoßzeiten sitzen die Besucher auf einer Strecke von 100 Metern vor dem Raum im K-Gang.Warum ist das Café so außergewöhnlich beliebt? Mitarbeiter Jannis Politis öffnet als Antwort einen Vorratsschrank: Hier stapeln sich zig Pakete einer gehobenen Kaffeemarke - passend zum Lieferanten, dem KaDeWe.Genauso berühmt wie der Rosa Salon ist das Café Geschwulst, das jetzt Café Ex(-il) Geschwulst heißt: Seit es sein Souterrain im Otto-Suhr-Instituts (Ihnestraße 22) nach einer polizeilichen Räumung aufgeben mußte, befindet es sich nun in einem Raum direkt darüber.An den Wänden wird für die "Aufhebung der herrschenden Verhältnisse" geworben.Vom Band läuft der "Exil Geschwulst-Mix": wild und hart."Bezahlt gefälligst", fordert ein Schild Zechpreller auf.Gähnende Leere im Kühlschrank, aber überall politische Schriften: Hier herrscht die Atmosphäre der Ruhe vor dem Sturm. Das Physik-Café XX (Arnimallee 14) ist mit Donald Duck Comic-Heften tapeziert.Eine Reaktion auf zuviel Beschäftigung mit Zopfgruppenstatistik und Kontinuumszuständen? Den Raum dominiert ein häßlicher aber bequemer Ledersessel.Hier kann man in den dicken Ordnern schmökern, in denen die Physiker Berichte von Kommilitonen über Prüfungen sammeln. Etwas weiter die Arnimallee runter, im Souterrain des Hauses Nr.2, befindet sich das Mathe-Café, dessen Namensgeber sich nicht zwischen Hexenkessel oder Hexenkeller entscheiden können.Hier gibt es sogar eine Tischtennisplatte, eine Dusche und regelmäßig Feten.Um die Ecke liegt das Café der BiologInnen (Königin-Luise-Str.12a).Als kalkweißes, viereckiges Häuschen mitten im Foyer des Instituts für Pflanzenphysiologie paßt es sich gut an seine gebohnerte Umgebung und an die weißen Kittel der Kundschaft aus dem Anatomie-Institut gegenüber an. Publizisten bewältigen ihr Lektürepensum an Zeitungen im Café Tricky in Lankwitz (Malteserstr.74-100, Haus L, 2.Etage).Im Gästebuch feiern Kommilitonen das Tricky als "neue Hoffnung in Lankwitz" und "irre clubmäßig".Die Ytong-Steine, aus denen der Tresen besteht, hat Student Oliver Waechter selbst gehauen und gemörtelt.Ihm verdankt das Café auch die blau-braune Inneneinrichtung.Das Geld für die Renovierung wurde durch Spenden eingetrieben, denn Kaffeekochen ist auf dem Campus kein großes Geschäft.Cafés, die Gewinne erwirtschaften, müssen sie an den AStA abführen. Ein Artikel über die HU-Cafés folgt demnächst.Über die TU-Cafés berichteten wir am 20.Januar.

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