Gesundheit : Diepgen hält an beschleunigtem Umzug nach Adlershof fest

Robert Ide

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen, hat den zügigen Umzug der Naturwissenschaften der Humboldt-Universität nach Berlin-Adlershof zugesichert. Aus Anlass der Grundsteinlegung für den Neubau eines Physikinstituts am Mittwoch versprach er, dass die naturwissenschaftlichen Institute der HU "ohne Verzögerung" in den Wissenschaftspark Adlershof umziehen sollen. "Wir wollen kein Gewitter, dass das Projekt hier in Mitleidenschaft zieht", sagte Diepgen im Hinblick auf Befürchtungen, ob sich der Umzug wegen der Finanznöte des Landes und der bevorstehenden Reformvorhaben in der Berliner Wissenschaft verzögern könnte. Das neue Forschungsinstitut für Physik soll bis zum Jahre 2002 in unmittelbarer Nähe des neuen Fachbereichs Chemie errichtet werden.

Der Senat von Berlin hatte im vergangenen Jahr beschlossen, den Umzug der Humboldt-Universität nach Adlershof zu beschleunigen. Die ursprünglich als Ziel angesehene Fertigstellung im Jahr 2010 wurde auf 2003/2004 vorgezogen. Der Wissenschaftsrat hat dieses Vorgehen begrüßt. Diepgen: "Durch Verzögerungen von Bauvorhaben an den Hochschulen kann viel Geld vernichtet werden." Für die Bauten der Humboldt-Universität in Adlershof sind insgesamt 550 Millionen Mark veranschlagt, die jeweils zur Hälfte vom Bund und vom Land Berlin getragen werden.

Der scheidende Präsident der Humboldt-Universität, der Jurist Hans Meyer, sprach von einem "großen Tag" für die Universität. Er zeigte sich vor allem von Diepgens Zusicherung erfreut, dass der Grundstein für ein Informations- und Kommunikationszentrum noch in diesem Jahr gelegt werden soll. Trotzdem mahnte Meyer die Berliner Politik, den Wert der Wissenschaft für die Stadt "stärker zur Kenntnis" zu nehmen.

Das neue Physikinstitut soll im "aerodynamischen Park" in Adlershof in drei Bauabschnitten entstehen. Neben einem neuen Hauptgebäude wird eine Experimentier- und Montagehalle für die Plasmaphysik entstehen. Das Gebäude soll auf den Fundamenten der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt gebaut werden, in der in den dreißiger Jahren Flugmotoren getestet wurden. Zur Abrundung des neuen Fachbereichs soll schließlich ein gemeinsames Lehrgebäude mit dem Institut für Chemie errichtet werden.

Wenn alles nach Plan läuft, können vom Wintersemester 2002/2003 an angehende Diplomphysiker und Physiklehrer in Adlershof ausgebildet werden. Die 27 dafür vorgesehenen Professoren sollen in Sonderforschungsbereichen und Graduiertenkollegs an physikalischen Erfindungen tüfteln. Dabei soll die Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten vor Ort im Vordergrund stehen, etwa dem Max-Born-Institut für nichtlineare Optik und Kurzzeitspektroskopie oder dem Teilchenbeschleuniger "Bessy II". Die Synchrotronstrahlung von "Bessy II" dient der Materialforschung, zum Beispiel der Untersuchung dünner Schichten, und dem "Durchleuchten" von Eiweißkristallen. Angesichts dieser Aussichten ließ sich HU-Präsident Meyer sogar dazu hinreißen, von einem baldigen "Nobelpreis aus Adlershof" zu träumen.

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