Gesundheit : Dirk Basting hofft auf stärkere Zuwanderung von Physikern, damit die Nachwuchsprobleme gelöst werden

Herr Basting[Sie sind der neue Präsident der]

Dirk Basting ist neuer Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Er gründete 1971, während der Promotion, die Firma Lambda Physik. Das auf Laser spezialisierte Unternehmen hat einen Umsatz von 130 Millionen Mark.

Herr Basting, Sie sind der neue Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, kommen aber aus der Industrie. Weckt das besondere Erwartungen in Ihre gerade begonnene Amtszeit?

Das weckt natürlich Erwartungen. Und die sind mit der Frage verbunden: Was können wir tun, um Wissenschaft und Wirtschaft einander näher zu bringen?

Muss da denn viel getan werden?

Ich kann das statistisch beantworten: Mehr als die Hälfte der Hochschulabgänger der Physik gehen in die Wirtschaft. Aber von den 30 000 Mitgliedern der Deutschen Physikalischen Gesellschaft sind nur 5000 aus der Industrie. Das ist für mich ein klarer Hinweis darauf, dass der Dialog auch innerhalb der Physik stärker in Gang gesetzt werden muss.

Erfreulicherweise sind die Investitionen der Wirtschaft in Forschung und Entwicklung nach einem Rückgang zu Beginn der 90er Jahre in den vergangenen fünf Jahren wieder gestiegen: von rund 60 Milliarden Mark in 1995 auf 75 Millarden 1999. Profitiert die Physik in Deutschland davon?

In dem Maße, in dem die Unternehmen mehr in die Forschung investieren, investieren sie natürlich auch in Kooperationen mit Hochschulen und Forschungsinstituten.

Wirkt sich das auch auf die Stellensituation aus? Werden wieder mehr Forscher gesucht?

Sie sprechen da ein heikles Thema an. Anfang der 90er Jahre gab es in Deutschland relativ viele Akademiker, auch Physiker, die arbeitslos waren. Dagegen sind wir inzwischen in einer absoluten Mangelsituation. Ich kann Ihnen das aus eigener Erfahrung in meinem Unternehmen sagen ...

Sie sind Geschäftsführer der Lambda Physik GmbH, einer Firma, die Gas- und Festkörperlaser herstellt und auch in Japan und den USA Mitarbeiter hat ...

Wir hatten Anfang der 90er Jahre auf eine Stelle weit über 100 Bewerber. Jetzt haben wir als High-tech-Unternehmen zwar immer noch mehr Bewerber als andere. Aber wir müssen manchmal schon froh sein, wenn von den Bewerbern überhaupt ein geeigneter Kandidat übrig bleibt.

Heißt das, dass allgemein in der Wirtschaft Physiker fehlen?

Ja, aber wir profitieren immer noch von den starken Studentenjahrgängen. Für die Zukunft sieht es dagegen dramatisch schlimm aus. Die Zahl der Studienanfänger in der Physik ist enorm zurückgegangen. Zudem werden in den nächsten Jahren viele Stellen von Lehrstuhlinhabern an den Hochschulen frei. Da wird es einen ganz gewaltigen Bedarf an Nachwuchskräften geben.

Wie kann man diesem Mangel abhelfen?

Wir müssen versuchen, mehr Studenten zu gewinnen, aber das wird viel Zeit und Geduld in Anspruch nehmen. Wenn Sie in Schulen bereits für die Physik werben wollen, was wir etwa mit einer Schulbuchaktion bereits machen, dann dauert es mindestens sieben oder acht Jahre, ehe sich das auswirkt. Ansonsten haben die Wissenschaft und die Industrie nur eine Chance: Wir müssen sehen, wo wir ansonsten fähige Physiker aus dem Ausland herbekommen.

Eine Green Card auch für Physiker?

Die Wirtschaft hat bereits ganz deutlich gesagt, dass sie eine Green Card weit über den Bereich der Informationstechnologie hinaus haben will. Es ist zwar jetzt schon für ausländische Wissenschaftler möglich, eine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland zu bekommen. Aber bis das Verfahren abgeschlossen ist, können Monate vergehen, und die Leute haben längst anderswo eine Stelle bekommen. Denn bei Spezialisten mit ausgezeichneten Kenntnissen befinden wir uns heute in einem weltweiten Wettbewerb. Das dürfen wir nicht vergessen. Wir müssen die Zuwanderung nach Deutschland für Spezialisten attraktiv machen.

Sie befürworten also eine Green Card?

Ich halte es für sinnvoll, die besten Wissenschaftler der Welt hierher zu bekommen. Insbesondere aus den uns kulturell näher stehenden Ländern Osteuropas, aber auch aus China, wohin es traditionell gute wissenschaftliche Beziehungen gibt. Das Interview führte Thomas de Padova.

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