Gesundheit : Dönerbude

Lars von Törne

Wie sprachlos der Mensch manchmal ist. Zwei Fremde treffen per Zufall nachts in einer Wohnung zusammen, unterhalten sich lange, und bleiben einander fremd. Der harmlose Silvesterabend endet im Desaster, ausgelöst durch enttäuschte unausgesprochene Erwartungen und die Unfähigkeit sich mitzuteilen. Oder zwei ehemalige Mitschüler: Nach Jahren begegnen sie sich wieder – und je mehr sie reden, desto fremder werden sie einander.Von dieser Art sind die Konstellationen, in denen der in Berlin lebende Schriftsteller Ralf Bönt seine Protagonisten aufeinander treffen lässt. In neun Kurzgeschichten seziert der promovierte Physiker den modernen Menschen in seiner sozialen Umgebung. Als Versuchsanordnung dienen ihm Umbruchsituationen, die sich auf Reisen ebenso ergeben wie im Alltag in Berlin-Lichtenberg oder in Münchner Randbezirken.

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Bönt, dessen Romane „Icks“ und „Gold“ hoch gelobt wurden, schreibt lakonisch und einfühlsam. Er nimmt seine Figuren ernst; nur hin und wieder erlaubt er sich einen ironischen Schlenker. Wirklich Aufregendes passiert kaum, die Dramen entfalten sich unterhalb der Ebene der äußerlichen Handlung. Wie in der Geschichte von dem Mann, der in einer Dönerbude über Fußball plaudert, während er ständig an seinen Sohn denkt, der bei einem Unfall vor dem Laden ums Leben kam. Wie soll man so etwas auch in Worte fassen?

Ralf Bönt: Berliner Stille. Erzählungen. Wallstein, Göttingen. 155 S., 16 €.

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