Gesundheit : Doktor digital

Immer mehr Dissertationen werden online publiziert – das spart Geld und hilft bei der Verbreitung

Simon Wolf

Ein bisschen Computerkenntnisse, ein PDF-Writer und ein Internetanschluss reichen heute aus, um die eigene Dissertation für ein breites Publikum zu publizieren – und dabei Geld zu sparen. Fast alle deutschen Universitäten ermöglichen mittlerweile die digitale Veröffentlichung von Abschlussarbeiten, und die Absolventen nehmen das Angebot an: Schon mehr als jeder Dritte veröffentlicht nach Auskunft der Deutschen Bibliothek in Frankfurt seine Dissertationen online.

Zwar müssen die Doktoranden nach wie vor vier bis sechs Exemplare in gedruckter Form einreichen, vorher waren es allerdings je nach Fakultät 40 bis 150 Stück – das macht selbst bei einer Eigenproduktion im Kopierladen einen Unterschied von 500 Euro, eine Verlagspublikation kostet deutlich mehr. Die Formalitäten bei der digitalen Abgabe unterscheiden sich nach Studienort, die Unis machen es Absolventen aber meist einfach. Sie müssen die bibliografischen Angaben in ein vorgefertigtes Formular eintragen, die Arbeit lässt sich im PDF-Format vom eigenen Rechner hochladen.

Mit der digitalen Publikation können die Absolventen aber nicht nur Kosten sparen, sondern auch die Verbreitung der Arbeit fördern. Zum einen kann man sie direkt und kostenlos an der jeweiligen Uni herunterladen, zum anderen reichen die Hochschulen sie bei der Deutschen Bibliothek ein, dort liegen sie auf einem zentralen Server. Finden kann man sie auch über Suchmaschinen wie Google. An der Ludwig-Maximilians-Universität wurden die Dissertationen durchschnittlich fast 300-mal aufgerufen. Unabhängig von der Technik gilt aber nach wie vor, dass der Inhalt über den Erfolg einer Arbeit entscheidet – oder ein guter Titel. Während die Arbeit „Das Lachen von Frauen im Gespräch über Shopping und Sexualität“ innerhalb eines Jahres schon 400-mal komplett und mehr als 4000-mal in Auszügen vom Server der Berliner FU heruntergeladen wurde, bringen es andere Arbeiten im selben Zeitraum nur auf magere fünf Kapitel-Downloads.

Beeinflussen lässt sich die Verbreitung einer Arbeit über die Schlagworte, die von den Autoren selber angegeben werden. Statt schillernder Suchbegriffe empfiehlt Gabriele Grieser von der Berliner FU aber eher einen Blick in einen fachlich relevanten Thesaurus, der Synonyme und wichtige Begriffe bereithält – schließlich suchen Interessenten nach nützlicher Fachliteratur, nicht nach Lesevergnügen.

Das Internet wird bei wissenschaftlicher Literatur wichtiger. Gerade von Naturwissenschaftlern höre sie immer wieder, dass ihre Arbeit durch die digitale Publikation weit verbreitet und oft zitiert wird, erzählt Nicola Korb von der Deutschen Bibliothek. Grundsätzlich stehen Naturwissenschaftler dem neuen Vertriebsweg aufgeschlossener gegenüber, das zeigen die Statistiken der Deutschen Bibliothek. Absolventen der Mathematik, Informatik und Chemie reichen in über 50 Prozent der Fälle ihre Dissertationen online ein, bei Historikern, Künstlern oder Romanisten ist es bisher nur jeder Sechste oder Siebte. Insgesamt zeigt der Trend aber deutlich nach oben, im vergangenen Jahr wurde schon jede dritte Arbeit online bei der Deutschen Bibliothek eingereicht.

Die Verlage sehen sich durch die digitale Publikation noch nicht bedroht. Carsten Schneider vom Verlag Peter Lang glaubt nicht, dass sie zu einer besonders hohen Verbreitung beiträgt, das Angebot werde bisher kaum zur Kenntnis genommen. Zudem sei die Entscheidung für eine Buchveröffentlichung meist eine Herzensangelegenheit der Autoren. Das sieht man bei Campus ähnlich. „Vor allem Geisteswissenschaftler möchten ihre Arbeit als Buch veröffentlicht sehen“, sagt Adalbert Hepp, der die Wissenschaftsabteilung des Verlages betreut. Eine Verlagspublikation mache gerade bei Geisteswissenschaftlern einen besseren Eindruck bei der Bewerbung, meint auch Olaf Gaudig vom Wissenschaftsverlag Berlin.

Die Auswahl eines Verlages ist eine Kostenfrage. Kleinere Häuser locken mit günstigen Angeboten für kleinere Auflagen. Beim Wissenschaftsverlag Berlin kosten 40 Exemplare einer 300-seitigen Arbeit 800 Euro, die Autoren bekommen zehn Prozent des Verkaufspreises als Honorar. Campus arbeitet generell nur mit größeren Auflagen, bei 250 Exemplaren bezahlt man einen Druckkostenzuschlag von rund 3000 Euro, ein Honorar gibt es erst bei einer Neuauflage. Autoren sollten sich von mehreren Unternehmen ein Angebot machen lassen, empfiehlt Adalbert Hepp von Campus. Es sei eine gute Idee, sich durch die digitale Publikation erst einmal günstig der Publikationspflicht zu entledigen. Anschließend, so sieht es auch Gabriele Grieser von der FU Berlin, „kann eine Verlagsveröffentlichung als Bonus hinzukommen“.

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