Gesundheit : Doktoranden-Betreuung: Promotionsberatung gegen Geld

Hermann Horstkotte

Spielen einzelne Professoren bei der verbotenen Promotionsberatung gegen Geld mit? Die Hochschulrektorenkonferenz hegt diesen Verdacht schon lange, hatte bislang aber keinen Beweis. Jetzt ist erstmals ein Doktorvater auffällig geworden, der Essener Pädagoge Tassilo Knauf. Er riet zwei berufstätigen Doktoranden, die mit ihrer Arbeit nach fünf Jahren immer noch nicht richtig vorankamen, sich von einer jungen Lehrerin helfen zu lassen. Knauf zum Tagesspiegel: "Mir erschien eine Unterstützung bei der Textformulierung ratsam. Frau Rinke hat nicht nur in diesem Fall geholfen. Das geht aber nicht zum Nulltarif. Ihr müsst mit ihr handelseinig werden, habe ich den Doktoranden gesagt." Man einigte sich erst einmal auf 1000 Mark, überwiesen am 9. April 1998.

Die nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin Gabriele Behler hat die merkwürdigen Beratungsmethoden ihres Professors Knauf jetzt dienstrechtlich "missbilligt". Professoren können Betreuungsleistungen an ihre Mitarbeiter delegieren, nicht aber an Außenstehende gegen Bezahlung. Nach der disziplinarischen Zurechtweisung kommt es jetzt auf den Staatsanwalt an. Womöglich liegt eine Straftat im Amt vor, die Forderung eines Vorteils für einen Dritten, nämlich die hilfsbereite Frau Rinke (Paragraph 331 ff. Strafgesetzbuch). Dann droht dem Professor eine Freiheits- oder Geldstrafe.

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