Dr. Adli analysiert den Weihnachtsmann : Patient im roten Mantel

Manisch-depressiv? Burnout? Er rennt mit einem Bademantel durch die Straßen, beglückt sein Umfeld mit Geschenken und verschwindet dann wieder monatelang. Der Weihnachtsmann braucht dringend eine Therapie.

Mazda Adli
Sieht nach manischer Phase aus: Ein Weihnachtsmann feuert beim Tannenweitwurf an.
Sieht nach manischer Phase aus: Ein Weihnachtsmann feuert beim Tannenweitwurf an.Foto: dpa

Oft wird man als Psychiater gefragt, welche psychische Auffälligkeit bei prominenten Persönlichkeiten vorliegt. Unlängst fragte ein Student, ob der Weihnachtsmann eigentlich noch als psychisch gesund einzuschätzen sei. Die Frage erscheint nicht unberechtigt. Wir überlegten gemeinsam: Der Weihnachtsmann beglückt sein Umfeld plötzlich mit Geschenken, ist Tag und Nacht unterwegs, klettert auf Dächern herum und verschafft sich zuweilen auf halsbrecherische Weise Zugang zu Privatwohnungen. Man müsste eine akute Manie mit Größenwahn vermuten und ihm raten, umgehend einen Psychiater aufzusuchen. Wenn sich dieselbe Person anschließend für viele Monate verkriecht, ist an der Diagnose einer manisch-depressiven Erkrankung kaum mehr zu zweifeln. Oder ereilt ihn dann schlicht ein Burn-out-Syndrom nach so viel Geben und den langen Reisen?

Und dann ist da noch die stets rote Nase des Weihnachtsmanns – auch kein Zeichen psychischen Wohlbefindens, sondern vielleicht ein Warnhinweis für schädlichen Alkoholgebrauch. Oje! Auch seine Fettleibigkeit machte uns Sorgen. Übergewicht verschlechtert die Prognose für viele Krankheiten oder ist vielleicht Zeichen einer Winterdepression. Und das ausgerechnet beim Weihnachtsmann! Und mal ehrlich, jemand, der mit einem roten Bademantel bekleidet bei eisigen Temperaturen durch die Straßen läuft, lässt einen doch aufmerksam werden: Ist der Betroffene verwirrt, vielleicht dement? Immerhin hat er ein stattliches Alter. Oder ist das eher ein Zeichen von Exaltiertheit und Teil einer großen Selbstinszenierung, sich in einem solch extravaganten Outfit durch die vollen Straßen unserer Metropolen zu bewegen und „Ho-Ho-Ho!“ zu rufen? Ist er ein Hysteriker, also jemand, der krankhaft im Mittelpunkt stehen und sich auffällig verhalten muss? Dazu müssten wir herausfinden, ob er schon in jungen Jahren zu solchen Extravaganzen geneigt hat, das wäre ein Hinweis für eine überdauernde pathologische hysterische Persönlichkeit.

Manch einer mag sich gar gefragt haben, warum der Weihnachtsmann am liebsten und ohne Scham mit Rute und Lackstiefeln ausgestattet durch die Gegend läuft oder in Fußgängerzonen steht – klarer Fall von Fetischismus? Und dann sind da noch diese dissoziativen Symptome – der ständige Wechsel seiner Identität. Heute Weihnachtsmann, morgen Nikolaus, übermorgen Knecht Ruprecht und dann noch Väterchen Frost.

Ich war mir mit dem jungen Kollegen jedenfalls schnell einig: Unterm Strich wäre der Weihnachtsmann ein sehr therapieintensiver Patient!

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