Dr. Dollas Diagnose (23) : Nico Schulz und das Fieber

Herthas Hoffnungsträger Nico Schulz leidet am Pfeifferschen Drüsenfieber. In seiner aktuellen Kolumne erklärt Dr. Thorsten Dolla was es mit dieser Erkrankung auf sich hat und warum sie insbesondere von Leistungssportlern so gefürchtet wird.

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Herthas Nico Schulz ist derzeit außer Gefecht gesetzt.
Herthas Nico Schulz ist derzeit außer Gefecht gesetzt.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Er gilt als einer der Senkrechtstarter von Hertha BSC. Nico Schulz, der erst 18 Jahre alte Fußballprofi, der in der Vorsaison seinen Durchbruch schaffte, war als echte Alternative auf der linken Abwehrseite geplant. Doch Schulz laboriert am Pfeifferschen Drüsenfieber. Was hat es mit dieser Erkrankung auf sich?

Das Pfeiffersche Drüsenfieber wird durch einen Virus hervorgerufen. Da der Erreger vor allem durch Speichel übertragen wird, bezeichnet man das Pfeiffersche Drüsenfieber auch als Kusskrankheit. Über 90 Prozent aller Europäer haben sich mit dem Virus bis zum 30. Lebensjahr infiziert. Bei den meisten Menschen, besonders bei Kindern, tritt die Krankheit ohne Symptome auf. Bei Erwachsenen können grippeähnliche Krankheitszeichen wie Glieder-, Leib- und Kopfschmerzen sowie starke Müdigkeit mit allgemeiner Schwäche auftreten.

Dadurch, dass die Viren die Lymphknoten befallen, schwellen die Lymphknoten an Hals und Nacken an. Es kann zu einer Hals- und Mandelentzündung mit einem grauen Belag auf den Mandeln kommen. Auffällig ist bei vielen ein fauliger Mundgeruch. Weiterhin kann es zu Fieber und Nachtschweiß kommen.

Dr. Thorsten Dolla schreibt regelmäßig für den Tagesspiegel über Sportverletzungen.
Dr. Thorsten Dolla schreibt regelmäßig für den Tagesspiegel über Sportverletzungen.Foto: promo

Häufig wird das Pfeiffersche Drüsenfieber nicht oder erst spät diagnostiziert. Bei ungewöhnlich auftretender Müdigkeit und Schwächegefühl ist an diese Infektion zu denken. Die Infektion wird über Antikörper im Blut nachgewiesen. Die Krankheit dauert in der Regel nur wenige Wochen, kann sich jedoch auch über ein bis zwei Monate erstrecken. Aufgrund einer Überreaktion des Immunsystems kann es, was aber sehr selten der Fall ist, zu einer bis zu zwei Jahren anhaltenden Schwäche und Müdigkeit kommen.

Eine spezielle Therapie oder ein spezielles Medikament gegen das Pfeiffersche Drüsenfieber gibt es bisher nicht. Der Patient sollte sich ausreichend ausruhen und sich nicht belasten. Bei erhöhter Temperatur ist es wichtig, ausreichend zu trinken. Kommt es zu einem zusätzlichen bakteriellen Infekt, muss sogar mit Antibiotika behandelt werden.

Durch Bildung von Antikörper, besteht nach der ersten Infektion in der Regel eine lebenslange Immunität. Bei einer Schwächung des Immunsystems ist aber eine Reaktivierung des Virus möglich. Die Erkrankung verläuft dann in abgeschwächter Form. Vorbeugen kann man nur, indem man Kontakt zu erkrankten Personen meidet, da bisher keine Impfung möglich ist.

Leistungssportler leiden unter dieser Erkrankung körperlich und psychisch. Da sie sich nicht körperlich belasten sollen, verlieren sie ihre Form und Fitness, das allerdings nicht für immer. Von Nico Schulz ist zu hören, dass er sehr wohl sehr dosiertes Training absolviert. Mit dieser Krankheit ist keinesfalls zu spaßen.

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