Dr. Dollas Diagnose (35) : Schmerzhafte Landung: Schweinsteigers Schlüsselbeinbruch

Bastian Schweinsteiger hat sich das rechte Schlüsselbein gebrochen. Nicht nur den FC Bayern trifft der Ausfall, der Mittelfeldspieler fehlt auch der Nationalmannschaft in den kommenden Länderspielen.

Dr. Thorsten Dolla
Das tat weh. Bastian Schweinsteiger wird in diesem Jahr nicht mehr Fußball spielen können.
Das tat weh. Bastian Schweinsteiger wird in diesem Jahr nicht mehr Fußball spielen können.Foto: dapd

Die Schlüsselbeinfraktur (Claviculafraktur) ist eine der häufigsten Knochenbrüche überhaupt. Sie ist häufig Folge eines Sturzes auf die Schulter oder einer direkten Gewalteinwirkung auf den Knochen. Häufig ist der Bruch im mittleren Drittel des Schlüsselbeins.

Es kommt zu Schmerzen und Schwellung im Bereich des Knochenbruchs verbunden mit einer typischen Schonhaltung. Dabei wird der Arm im Ellenbogen gebeugt an den Körper gelegt und die Schulter nach vorne geneigt. Eine Bewegung der Schulter ist schmerzhaft.

Bei der Untersuchung ist Druckschmerz an der Bruchstelle nicht ungewöhnlich. Häufig ist eine Stufenbildung tastbar. Das Aneinanderreiben der Knochen (Crepitatio) ist ein sicheres Zeichen eines Knochenbruches. Sehr selten kommt es zu einem offenen Bruch mit Durchspießung des Knochen. Bei jeder Verletzung muss die Durchblutung und die Sensibilität untersucht werden. Eine Röntgenuntersuchung des Schlüsselbeins bestätigt dann die Diagnose.

Man unterscheidet die konservative Behandlung von der operativen Behandlung. Besonders beim Leistungssportler wird eine operative Versorgung der Schlüsselbeinfraktur bevorzugt. Dabei wird unter Vollnarkose der Bruch mit einer Platte und Schrauben stabilisiert. Damit wird eine schnelle Übungsstabilität erreicht, der Sportler kann früher mit dem Training wieder beginnen. Das bedeutet natürlich nicht, dass der Knochen schneller zusammen wächst.

Dr. Thorsten Dolla, Sportmediziner und Tagesspiegel-Experte.
Dr. Thorsten Dolla, Sportmediziner und Tagesspiegel-Experte.Foto: promo

Normalerweise wird bei einer nicht offenen und nicht schwer verschobenen Fraktur der Patient mit einem Rucksackverband versorgt. Durch diesen Verband werden die Schultern und damit auch die Bruchenden nach hinten gezogen. Körperliche Aktivitäten müssen dann aber vermieden werden.

In der Regel heilen die Schlüsselbeinfrakturen problemlos. Nach sechs Wochen müsste eine zunehmende Belastung möglich sein. Somit sollte Bastian Schweinsteiger nach den Weihnachtsferien wieder mit der Mannschaft trainieren können.

Der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla, 47, ist seit vielen Jahren in der Sportmedizin tätig. Er war Mannschaftsarzt bei Hertha BSC, beim 1. FC Union und dem Footballteam Berlin Thunder. Beim ISTAF war er bis 2009 leitender Arzt und ist heute Ringarzt beim Boxen. Für Tagesspiegel.de schreibt er regelmäßig über Sportverletzungen und ihre Folgen.

Aufgezeichnet von Michael Rosentritt

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