Dr. Dollas Diagnose (36) : Was ist ein Mittelgesichtsbruch?

Dortmunds Neven Subotic hat sich vor einer Woche einen Mittelgesichtsbruch zugezogen. Selbst sein Trainer Jürgen Klopp wusste bis dahin nicht, "dass es so was gibt". Dr. Thorsten Dolla klärt in seiner aktuellen Kolumne auf.

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Hier passiert's. Wolfsburgs Sotirios Kyrgiakos (r.) rammt Neven Subotic den Ellbogen an den Kopf - und bricht dem Dortmunder dabei das Mittelgesicht.
Hier passiert's. Wolfsburgs Sotirios Kyrgiakos (r.) rammt Neven Subotic den Ellbogen an den Kopf - und bricht dem Dortmunder dabei...Foto: dapd

Mittelgesichtsfrakturen sind Knochenbrüche, die den Bereich des Gesichts von der Nasenwurzel bis zum Nasenwinkel betreffen. Auch die häufig auftretenden Jochbogenfrakturen zählen dazu. Zu diesen Verletzungen kommt es nach Stürzen oder Verkehrsunfällen.  

Ursachen im Sport sind Gewalteinwirkungen auf den Kopf, wie sie im Fußball in Zweikämpfen oder auch im Boxsport auftreten können. Dabei kommt es nicht nur zu starken Schwellungen im Gesichtsbereich, sondern zu Hämatomen oder zu einem so genannten Brillen- oder Monokelhämatom, teilweise mit knöchernen Stufen, die tastbar sind. Das Öffnen und Schließen des Mundes ist dann nicht normal möglich. 

Zur genauen Diagnosestellung sind ein Röntgenbild und eine Computertomografie notwendig. Die Behandlung ist jeweils abhängig von der Lokalisation des Bruches, aber auch von der Begleitverletzung. Häufig erfolgt eine operative Wiederherstellung mit Schrauben und Platte. 

Dr. Thorsten Dolla, Sportmediziner und Tagesspiegel-Experte.
Dr. Thorsten Dolla, Sportmediziner und Tagesspiegel-Experte.Foto: promo

Neben den allgemeinen Operationsrisiken kann es bei einer Mittelgesichtsfraktur auch zur Störung des Tränenabflusses und zu Nervenstörungen kommen. Eine frühzeitige Wiederaufnahme der sportlichen Betätigung ist möglich. Jedoch sollte man auch beim Tragen von Gesichtsmasken bedenken, dass ein vollständiger Schutz bei Kontakt nicht gewährleistet werden kann. Über ein noch strengeres Auslegen der Regeln im Kopfball, wo es häufig dazu kommt, dass der Gegenspieler die Ellenbogen ausfährt, sollte vielleicht noch einmal diskutiert werden. 

Im Boxsport muss ein Kampf bei einer Mittelgesichtsfraktur übrigens abgebrochen werden. Dass muss nicht diskutiert werden, sondern liegt schon allein im Interesse des Sportlers.

Der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla, 47, ist seit vielen Jahren in der Sportmedizin tätig. Er war Mannschaftsarzt bei Hertha BSC, beim 1. FC Union und dem Footballteam Berlin Thunder. Beim ISTAF war er bis 2009 leitender Arzt und ist heute Ringarzt beim Boxen. Für Tagesspiegel.de schreibt er regelmäßig über Sportverletzungen und ihre Folgen.

Aufgezeichnet von Michael Rosentritt

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