Dr. Dollas Diagnose (37) : Leistungssport und Grippe

Gegenwärtig erkranken wieder viele Menschen an der saisonalen Grippe. Es trifft auffällig wenige Leistungssportler. Woran liegt das? Und wie sinnvoll ist eine Grippeschutzimpfung?

von
Kleiner Piekser, große Wirkung. Foto: dapd
Kleiner Piekser, große Wirkung.Foto: dapd

Besonders ältere Menschen und chronisch Kranke sollten sich impfen lassen, denn sie haben ein deutlich erhöhtes Risiko für schwere Verläufe durch eine Grippe. Auch für jene, die beruflich viel mit Menschen zu tun haben oder für Gruppen, die eine geschwächte Immunabwehr haben, ist eine Grippeimpfung zu empfehlen. Grundsätzlich muss jedoch jeder für sich selbst entscheiden, ob er sich impfen lassen soll.

Untersuchungen zeigen, dass intensive Belastungen, wie sie bei Leistungssportlern vorkommen, das Immunsystem schwächen können. Durch die vorübergehende hohe Belastung im Wettkampf, die aber auch nach intensivem Training auftreten kann, können Infekte auftreten. Kommt es anfänglich zum Husten und Schnupfen, können später Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und sogar Fieber dazu kommen.

Grundsätzlich wird die saisonale Grippe durch eine virale Tröpfcheninfektion übertragen. Durch die Schwächung des Immunsystems kommt es häufig zu einer „bakteriellen Superinfektion“. Allerdings kann eine Grippeimpfung keine Garantie geben, nicht an der Influenza (Grippe) zu erkranken.

Es lassen sich jedes Jahr beispielsweise sehr viele Leistungssportler gegen die Grippe impfen. Da eine Impfung Nebenwirkungen haben kann, ist es sinnvoll, die Impfung nach der Belastung durchzuführen. Im Profifußball etwa könnte eine Impfung am Tag nach dem Spiel durchgeführt werden. Ein dann folgender Ruhetag wäre sinnvoll, da der Körper auf die Impfung reagieren kann. Ähnliches gilt auch für jene, die es schon erwischt hat. Hier muss man warten, bis man wieder fit ist. Trotzdem sind Müdigkeit, Gliederschmerzen oder auch eine erhöhte Temperatur nicht ausgeschlossen.

Dr. Thorsten Dolla, Sportmediziner und Tagesspiegel-Experte. Foto: promo
Dr. Thorsten Dolla, Sportmediziner und Tagesspiegel-Experte.Foto: promo

Da sich die Grippeviren verändern, müsste eine Impfung in jedem Jahr erneut durchgeführt werden. Besonders für die Nicht-Leistungssportler soll erwähnt werden: Klinische Untersuchungen zeigen, dass ein leichtes Ausdauertraining positive Ergebnisse auf das Immunsystem haben kann. Gerade hier gilt: Bewegung ist gesund.

Der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla, 47, ist seit vielen Jahren in der Sportmedizin tätig. Er war Mannschaftsarzt bei Hertha BSC, beim 1. FC Union und dem Footballteam Berlin Thunder. Beim ISTAF war er bis 2009 leitender Arzt und ist heute Ringarzt beim Boxen. Für Tagesspiegel.de schreibt er regelmäßig über Sportverletzungen und ihre Folgen.

Aufgezeichnet von Michael Rosentritt

Autor

2 Kommentare

Neuester Kommentar