Dr. Dollas Diagnose (44) : Was bringt ein Trainingslager im Süden?

Hertha BSC ist gerade aus dem Trainingslager in Belek zurückgekehrt. In seiner aktuellen Kolumne erklärt Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla, was für eine Vorbereitung in wärmeren Gefilden spricht.

Dr. Thorsten Dolla
Trügerische Idylle: Im Trainingslager von Belek erarbeiteten sich die Spieler von Hertha BSC u. a. auch die konditionellen Grundlagen für die Rückrunde.
Trügerische Idylle: Im Trainingslager von Belek erarbeiteten sich die Spieler von Hertha BSC u. a. auch die konditionellen...Foto: dapd

16 Fußball-Bundesligisten nutzten die kurze Winterpause und bereiteten sich fern der Heimat in Trainingscamps auf die am 20. Januar beginnende Rückrunde vor, davon acht auf der iberischen Halbinsel und fünf an der türkischen Riviera wie etwa Hertha BSC. Lediglich der FC Augsburg und 1899 Hoffenheim sind daheim geblieben. Auch Berlins Zweitligist 1. FC Union ist am Montag Richtung Südspanien aufgebrochen. Was spricht eigentlich für einen Aufenthalt in wärmeren Gefilden? Und wie notwendig sind Trainingslager überhaupt?

Neben den Sommerferien bietet die Winterpause für den Trainer die einzige Möglichkeit, sich über einen längeren Zeitraum mit der Mannschaft ungestört vorzubereiten. Das ist der vielleicht größte Wert von Trainingscamps. Für eine Reise in wärmere Gefilde spricht, dass eine erfolgreiche Vorbereitung bei schlechten Platzverhältnissen gestört werden kann. Häufig ist hierzulande das Wetter im Januar eiskalt. Die Plätze sind gefroren und nicht bespielbar. Das Training muss auf Kunstrasen verlegt werden. Momentan sind die Temperaturen in Deutschland zwar moderat, aber dennoch nicht unproblematisch, ist das Infektrisiko doch hoch.

Ein Trainingslager im Süden hat dagegen nicht nur den Vorteil, dass in der Regel die Sonne scheint und der Rasen saftig grün ist. Man kommt zudem aus dem üblichen Trott heraus. So kann das Trainerteam auch mal andere Reize setzen.

Dr. Thorsten Dolla, Sportmediziner und Tagesspiegel-Experte.
Dr. Thorsten Dolla, Sportmediziner und Tagesspiegel-Experte.Foto: promo

Durch die geeignete Wahl der Unterkunft sowie durch eine sorgfältige Auswahl der Ernährung können günstige Grundlagen dafür geschaffen werden, dass die Spieler auch beim Training an ihre körperliche Leistungsgrenze gehen können. Durch das ständige Miteinander im Hotel kann zusätzlich ein neuer Mannschaftsgeist entstehen. Die Spieler müssen sich mehr mit sich und ihren Mitspielern beschäftigen. Man lernt sich noch näher kennen. Gespräche zwischen Trainer und Spieler können in einer entspannten Atmosphäre stattfinden.

Durch die Mitnahme eines medizinischen Funktionsteams können nicht nur Verletzungen sofort diagnostiziert und anschließend optimal behandelt werden. Auch regenerative Maßnahmen nach belastenden Trainingseinheiten sind möglich. Häufig sorgt ein freier Nachmittag auch dafür, dass man etwas anderes als Fußball erleben kann. Ob ein gemeinsamer Ausflug oder eine Golfrunde. Selbstverständlich darf auch der Spaß nicht zu kurz kommen.

Insgesamt sind Trainingslager eine hilfreiche Unterstützung. Häufig sagt man: Sind die ersten Spiele erfolgreich, war auch das Trainingslager gut. Wobei die konditionellen Grundlagen, an denen im Trainingslager gearbeitet wird, eine Mannschaft durch die gesamte Halbserie tragen sollen.

Wünschen wir den Profis von Hertha BSC und dem 1. FC Union alles gute und einen erfolgreichen Rückrundenstart.

Der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla, 48, ist seit vielen Jahren in der Sportmedizin tätig. Er war Mannschaftsarzt bei Hertha BSC, beim 1. FC Union und dem Footballteam Berlin Thunder. Beim ISTAF war er bis 2009 leitender Arzt und ist heute Ringarzt beim Boxen. Für Tagesspiegel.de schreibt er regelmäßig über Sportverletzungen und ihre Folgen.

Aufgezeichnet von Michael Rosentritt

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