Dr. Dollas Diagnose (46) : Was ist ein Jochbeinburch?

Herthas Christoph Janker hat sich im Spiel gegen den HSV das Jochbein gebrochen. Noch am Sonnabend wurde der Abwehrspieler operiert. Wie gravierend ist eine solche Verletzung? Und wie wird sie behandelt?

Dr. Thorsten Dolla
Christoph Janker wird Hertha wochenlang fehlen.
Christoph Janker wird Hertha wochenlang fehlen.Foto: dpa

Eine Fraktur des Jochbeins ist ein Knochenbruch, der in aller Regel durch eine starke Gewalteinwirkung im Gesicht entsteht. Da bei allen Mittelgesichtsfrakturen häufig auch andere Frakturen im Gesichtsbereich, dabei besonders im Unterkiefer, vorkommen können, muss zwingend eine sorgfältige Diagnostik durchgeführt werden.

Bei der Untersuchung kann die Geometrie des Gesichtes verändert sein. Das Gesicht ist asymmetrisch und kann schief aussehen. Schwellungen und Hämatome (Blutergüsse) können sichtbar sein. Kaubewegungen sind schmerzhaft. Außerdem kann es zu Doppelbildern und auch zu Gefühlsstörungen im Gesichtsbereich kommen. Neben der klinischen Untersuchung ist eine apparative Diagnostik ist notwendig.

Dr. Thorsten Dolla, Sportmediziner und Tagesspiegel-Experte.
Dr. Thorsten Dolla, Sportmediziner und Tagesspiegel-Experte.Foto: promo

Dabei wird eine Computertomografie durchgeführt. Die Fraktur wird häufig operativ, beispielsweise mit Minischrauben und Miniplatte versorgt. Eine komplette Heilung ist nach vollständiger knöcherner Durchbauung nach ca. sechs Wochen möglich.

Während wir Sportler, und hier insbesondere Fußballer, nach Nasenbeinfrakturen häufig sehr bald nach Eintritt der Verletzung mit einer Gesichtsmaske spielen sehen, ist ein ähnlicher Schutz grundsätzlich auch bei Jochbeinfrakturen möglich. Doch aufgrund der Anatomie des Jochbeins ist der Schutz der Maske nicht so effektiv wie bei einer Nasenbeinfraktur. Das Risiko des Sportlers, sich etwa in einem Zweikampf zu verletzen, ist auch bei operativer Versorgung der Fraktur vorhanden. Ratsam ist es hier allemal, ein wenig mehr Geduld aufzubringen.

Der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla, 48, ist seit vielen Jahren in der Sportmedizin tätig. Er war Mannschaftsarzt bei Hertha BSC, beim 1. FC Union und dem Footballteam Berlin Thunder. Beim ISTAF war er bis 2009 leitender Arzt und ist heute Ringarzt beim Boxen. Für Tagesspiegel.de schreibt er regelmäßig über Sportverletzungen und ihre Folgen.

Aufgezeichnet von Michael Rosentritt

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