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Dr. Dollas Diagnose (64) : Was ist ein künstliches Koma?

Der Fußballtrainer Peter Neururer hat am Sonntag beim Golfspielen eine Herzattacke erlitten und wurde danach ins künstliche Koma versetzt. Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla erklärt, was dabei genau mit dem Patienten passiert.

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Peter Neururer.
Peter Neururer.Foto: dapd

Beim künstlichen Koma wird der Patient durch Medikamente in einem tiefen Schlaf versetzt. Dieser Schlaf ist vergleichbar mit dem Zustand, den man bei einer Vollnarkose hat. Dieser besonders in den Medien genutzte Begriff des künstlichen Koma bezeichnet eine Bewusstseinsminderung, die nach Absetzen der Medikamente reversibel ist. Dabei wird der Patient künstlich beatmet und alle wichtigen Körperfunktionen werden auf der Intensivstation überwacht. Dadurch werden auch Schmerzen vom Patienten nicht mehr wahrgenommen.

Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla.
Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla.Foto: promo

Ernährt wird der Patient über die Blutbahn oder durch eine spezielle Ernährung über die Magensonde. Um den Tages und Nacht-Rhythmus zu erhalten, kann man den Patienten auch aufwachen lassen. Von der Umgebung bekommt der Patient immer etwas mit. Deshalb sollten alle Beteiligten mit dem Patienten so umgehen, als wäre er bei vollem Bewusstsein. Das künstliche Koma kann vom Arzt jederzeit beendet werden. Dabei wird das Schlafmittel langsam reduziert.

Der Herzinfarkt ist ein lebensbedrohliches Ereignis. Aufgrund einer Durchblutungsstörung am Herzen sterben Bereiche des Herzmuskels ab. Dabei kann es zum Brustschmerz kommen, der bis in die Schultern und Arme ausstrahlen kann. Weiterhin treten häufig Übelkeit und Schweißausbrüche auf.

Häufig sind die körpereigenen Rettungssysteme durch den Stress völlig überfordert. Über das künstliche Koma wird versucht, den Organismus zu entlasten.

Peter Neururer, wurde inzwischen aus dem künstlichen Koma geholt. Wünschen wir ihm, dass er bald wieder gesund wird!

Der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla, 48, ist seit vielen Jahren in der Sportmedizin tätig. Er war Mannschaftsarzt bei Hertha BSC, beim 1. FC Union und dem Footballteam Berlin Thunder. Beim ISTAF war er bis 2009 leitender Arzt und ist heute Ringarzt beim Boxen. Für Tagesspiegel.de schreibt er regelmäßig über Sportverletzungen und ihre Folgen.

Aufgezeichnet von Jörg Leopold

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