Dr. Dollas Diagnose (65) : Beschwerden an der Achillessehne

Der Tscheche Tomas Rosicky fehlte seiner Mannschaft wegen Achillessehnenbeschwerden im letzten Gruppenspiel gegen Polen und droht auch für das Viertelfinale auszufallen. Dr. Thorsten Dolla erklärt, welche vielfältigen Ursachen eine derartige Verletzung haben kann.

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Tomas Rosicky leidet derzeit nicht nur körperlich. Foto: AFP
Tomas Rosicky leidet derzeit nicht nur körperlich.Foto: AFP

Die Achillessehne ist die stärkste und auch die dickste Sehne des menschlichen Körpers. An der Ferse ansetzend, zieht sie ungefähr 20 Zentimeter nach oben, wo sie in den Wadenmuskel übergeht. Die Achillessehne überträgt die Kraft der Wadenmuskulatur, wodurch besonders die starke Beugung des Fußes möglich ist.

Die Ursachen der Beschwerden an der Achillessehne sind vielfältig. Häufig kommt es zu einer Überlastung der Achillessehne. Dabei wird das Sehnengewebe ca. vier bis sechs Zentimeter oberhalb des Ansatzes durch kleinste Einrisse geschädigt. Aber auch Fußdeformitäten (Bsp.: Knick-Senk-Spreizfuß) oder eine Arthrose des oberen Sprunggelenks können zu einer Entzündung der Achillessehne führen. Untersuchungen haben gezeigt, dass Letzteres besonders häufig bei Fußballspielern und Marathonläufern vorkommt.

Eine Entzündung kann sich beispielsweise in Schwellungen oberhalb der Ferse und oder in Form von Druckschmerz ca. zwei bis drei Zentimeter vom Ansatz der Achillessehne entfernt äußern. Anfangs treten die Beschwerden zu Beginn der Belastung auf. Wird die Belastung nicht reduziert, kann es auch zu Beschwerden während oder auch nach der Belastung und sogar in Ruhe kommen. Die Folge kann eine Verhärtung der Unterschenkelmuskulatur sein. Für die weitere Diagnostik ist ein Ultraschall und auch ein Kernspintomogramm (MRT), bei dem auch sehr kleine Veränderungen der Sehnenstruktur ersichtlich werden, hilfreich.

Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla. Foto: promo
Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla.Foto: promo

Die wichtigste Therapie ist die Reduktion der sportlichen Belastung. Weiterhin wird die physiotherapeutische Behandlung und Eisbehandlung empfohlen. Untersuchungen zeigten, dass ein exzentrisches Krafttraining wichtig ist. Dabei stellt man sich mit den Zehenspitzen auf eine Treppenstufe und versucht diese Position drei bis Sekunden zu halten. Anschließend wird der Fuß unter die Horizontale der Stufe gesenkt.

Eine Gipsruhigstellung wird nur noch sehr selten durchgeführt. Bei günstigem Verlauf sind die Beschwerden nach wenigen Wochen deutlich vermindert. Es gibt aber auch chronische Verläufe, bei denen die Beschwerden über viele Monate andauern können.

Der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla, 48, ist seit vielen Jahren in der Sportmedizin tätig. Er war Mannschaftsarzt bei Hertha BSC, beim 1. FC Union und dem Footballteam Berlin Thunder. Beim ISTAF war er bis 2009 leitender Arzt und ist heute Ringarzt beim Boxen. Für Tagesspiegel.de schreibt er regelmäßig über Sportverletzungen und ihre Folgen.

Aufgezeichnet von Jörg Leopold

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