Dr. Dollas Diagnose (68) : Was ist ein Kahnbeinbruch?

Radprofi Tony Martin hat sich bereits am zweiten Tag der Tour de France das Kahnbein gebrochen. Trotzdem fährt er immer noch bei der Frankreich-Rundfahrt mit. Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla erklärt die Verletzung in seiner aktuellen Kolumne.

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Tony Martin mit Manschette. Damit fährt der Radprofi nun schon eine Woche durch Frankreich.
Tony Martin mit Manschette. Damit fährt der Radprofi nun schon eine Woche durch Frankreich.Foto: AFP

Das Kahnbein ist ein wichtiger Knochen der Handwurzelreihe mit den acht verschiedenen Knochen. Der Bruch des Kahnbeins ist ein sehr häufiger Knochenbruch in der Handwurzel und nicht selten ist die Ursache ein Sturz auf das ausgestreckte Handgelenk. Dabei kann der Patient Schmerzen im Bereich des daumenseitigen Handgelenkes in Ruhe und bei Bewegung haben. Bei der Untersuchung werden Schmerzen bei Stauchung des Daumens und ein Druckschmerz über der Tabatiere (Schnupftabakgrube) angegeben.

Liegt der Verdacht auf einen Kahnbeinbruch vor, wird ein Röntgenbild in vier unterschiedliche Ebenen (Quartett) durchgeführt. Dies ist notwendig, da die Bruchlinie häufig schwer darzustellen ist. Da im Hochleistungssport schnelle und sichere Diagnostik notwendig ist, wird auch ein Computertomogramm (CT) durchgeführt. Mit einem Magnetresonanztomogramm (MRT) kann eine knöcherne Veränderung auch ersichtlich werden.

Die Heilung des Bruches kann bis zu zwölf Wochen dauern. Dazu wird der Arm mit einem Gipsverband versorgt. Eine Alternative ist die operative Versorgung des Bruchs durch eine spezielle Schraube. Die Zeit der Heilung des Knochens ist dieselbe, es kann aber auf eine lange Ruhigstellung durch einen Gips verzichtet werden.

Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla.
Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla.Foto: promo

Oftmals wird ein Kahnbeinbruch nach einem Sturz nicht bemerkt. Entweder weil der Patient kaum Schmerzen hatte oder weil das sofort angefertigte Röntgenbild keinen Bruch zeigte. Eine Komplikation bei einem nicht ausreichend behandelten Kahnbeinbruch ist die nicht vollständige oder auch ganz ausbleibende Heilung des Knochens. Es kann zur Kahnbeinpseudarthrose kommen. Dabei heilt der Bruch nicht vollständig, aufgrund der weiter bestehenden Beschwerden kann eine Operation die Folge sein.

Ein Bruch, der zeitnah behandelt wird, heilt aus. Eine regelmäßige krankengymnastische Übungstherapie sorgt dann für eine vollständige Wiederherstellung der Beweglichkeit des Handgelenks. Hoffen wir auf eine vollständige Heilung des Bruches bei Tony Martin. Kommt es nicht dazu, könnten Beschwerden im Handgelenk bestehen bleiben und einen operativen Eingriff notwendig machen.

Der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla, 48, ist seit vielen Jahren in der Sportmedizin tätig. Er war Mannschaftsarzt bei Hertha BSC, beim 1. FC Union und dem Footballteam Berlin Thunder. Beim ISTAF war er bis 2009 leitender Arzt und ist heute Ringarzt beim Boxen. Für Tagesspiegel.de schreibt er regelmäßig über Sportverletzungen und ihre Folgen.

Aufgezeichnet von Jörg Leopold

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