Gesundheit : Dramatischer Erfolg

Anja Hilling, Studentin an der Universität der Künste Berlin, ist Deutschlands beste Nachwuchsautorin

Sven Scherz

„Mein junges idiotisches Herz“ heißt eines der Stücke von Anja Hilling. Das tat einen gewaltigen Sprung, als die Studentin im Studiengang „Szenisches Schreiben“ an der Universität der Künste Berlin (UdK) jetzt erfuhr, dass sie die Zeitschrift „Theater heute“ zur „besten Nachwuchsautorin 2004/05“ gekürt hat, eine der höchsten Auszeichnungen für junge Schriftsteller, die im deutschsprachigen Raum für die Bühne schreiben. Vielleicht öffnet das Jury-Urteil der 30-jährigen Anja Hilling das ein oder andere Türchen ihrer beruflichen Zukunft als Dramatikerin. Im Wintersemester will sie ihr Studium an der UdK abschließen.

„In einem positiven Sinn ist der Studiengang ziemlich elitär“, sagt sie. Zu siebt sitzen die Studierenden dort im Seminar. „Man liest sich gegenseitig seine Texte vor und diskutiert die literarischen Stoffe.“ Und vor allem, wie sich diese in Szenen darstellen lassen.

In München und Berlin studierte Anja Hilling zunächst Germanistik und Theaterwissenschaften. In ihrer Magisterarbeit widmete sie sich der Bedeutung von Sinneswahrnehmung im modernen Liebesroman. Noch bevor sie ihr Studium beendete, immatrikulierte sie sich 2002 zusätzlich an der UdK. „Ich fand es damals krass, noch mal vier Jahre weiterzustudieren“, sagt sie, „aber ich wollte halt schon immer gerne schreiben.“ Mit Wissenschaft an sich hatte sie eigentlich gar nichts am Hut. Für die Aufnahmeprüfung an der UdK reichte Anja Hilling ein zehnseitiges Manuskript einer Szene ein und verfasste kleinere dramatische Texte. Ihre Ausbildung ist praxisorientiert. Nach vier Semestern Grundstudium, in denen ein Theaterpraktikum absolviert wird, folgen weitere vier Semester Hauptstudium, in dem auch das Schreiben für Hörspiel und Drehbücher unterrichtet wird. Den intensiven Austausch mit den Kommilitonen schätzt Hilling besonders. „Normalerweise sind Schriftsteller mit ihren Ideen ganz auf sich allein gestellt“, sagt sie.

Mit ihrem ersten Drama „Sterne“ hatte Hilling ihren ersten Erfolg. Sie wurde 2003 zum Stückemarkt des Berliner Theatertreffens eingeladen. Ein Jahr darauf wurde in Jena „Mein junges idiotisches Herz“ uraufgeführt, und diesen Sommer wurde Hilling zum Theatertreffen in Mülheim geladen. Im Kölner Schauspiel hatte im Mai ihr Drama „Monsun“ Premiere.

Über den Aufführungssegen ist man auch an der UdK stolz, wobei Hilling kein Einzelfall ist. Viele Ehemalige haben Preise gewonnen und sich im Kulturbetrieb etabliert. Der 1972 geborene Marius von Mayenburg zum Beispiel oder die 1964 geborene Autorin Dea Loher.

Leiter des Studiengangs ist Jürgen Hofmann. Vor 15 Jahren gründete er das Fach, um „Szenisches Schreiben“ als erlernbares Handwerk zu unterrichten. Zum Ende des Studiums müssen alle Absolventen ein abendfüllendes Stück als Abschlussarbeit abgeben.

Anja Hilling sammelt zwar schon mehrere in der Schublade, hat jedoch den Ehrgeiz, den Prüfern ein weiteres neues vorzulegen. Bis Jahresende will sie es fertig haben. Über Titel und Inhalt verrät sie jedoch nichts. „Das ist noch zu unausgegoren.“

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