Gesundheit : Drei Säulen statt einer Die Alternative zur Nationalen Akademie

Uwe Schlicht

Die Union der Akademie, der Dachverband von sieben deutschen Wissenschaftsakademien, will keine Nationale Akademie, wie der Wissenschaftsrat sie unlängst gefordert hatte. Am Donnerstag stellte sie ihr Gegenkonzept vor: ein Drei-Säulen-Modell. Im Mittelpunkt stehen alle Akademien, die sich künftig „Deutsche Akademien der Wissenschaften“ (DAW) nennen. Das Präsidium der DAW vertritt die deutsche Wissenschaft in den internationalen Gremien der Akademien. In anderen Politikbereichen – beispielsweise auf der EU-Ebene – soll die Wissenschaft durch einen deutschen Forschungsrat repräsentiert werden. Ihm gehört neben den großen Forschungsorganisationen auch erstmals die neue Dachorganisation der deutschen Akademien an. Die dritte Säule bildet der Konvent der Deutschen Wissenschaft. Ihm sollen 120 Mitglieder angehören, darunter Wissenschaftler aus den Akademien, als Vertreter der jüngeren Generation die Leibniz-Preisträger, Nobelpreisträger und vom Bundespräsidenten ausgezeichnete Zukunftspreisträger. Dieser Konvent übernimmt die Beratung von Gesellschaft und Politik.

Über die Finanzierung wurden unterschiedliche Angaben gemacht. Die Sparversion kommt mit sieben bis acht Millionen Euro pro Jahr aus. Folgt man jedoch den Visionen des Generalsekretärs der Union, Dieter Herrmann, dann dürfte Deutschland mit einer Nationalen Akademie nicht auskommen, sondern benötigt deren vier – für Medizin, Geisteswissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Naturwissenschaften. Dann entstünden Mehrkosten von über 100 Millionen Euro jährlich.

Die Union von sieben Akademien der Wissenschaften kann auf die Fundamentalkritik des Wissenschaftrats nur halbherzig antworten. Wie der Verbund inhaltlich arbeiten soll, blieb vage. Jedenfalls verstehen die Akademien der Wissenschaften Politikberatung als eine abgehobene Sache. Peter Graf Kielmannsegg, der Präsident der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, machte sehr deutlich: Man will sich von den Politikern auch in Zukunft keine Themen oder Fristen vorschreiben lassen.

Der Wissenschaftsrat hatte festgestellt, dass die regionalen Akademien der Wissenschaften in Deutschland nicht in der Lage seien, die deutsche Wissenschaft im Ausland zu repräsentieren. Für die Konzeption einer solchen Nationalen Akademie sollten sich die großen Forschungsorganisationen („Heilige Allianz“) mit der Union der Akademien der Wissenschaften zusammenraufen. Die Nationale Akademie hätte gleichzeitig die Beratung von Politik und Öffentlichkeit zu übernehmen. Ausdrücklich verlangte der Wissenschaftsrat, dass eine solche Beratung nur durch Wissenschaftler erfolgen könne, die wegen ihrer Exzellenz und nicht wegen politischer Gefälligkeit ausgesucht würden.

Nur einen Teil dieser Anregungen greift die Union der Akademien mit ihren Vorschlägen auf. Wie das Konzept der Union von der „Heiligen Allianz“ aufgenommen worden ist, wollte der Präsident Gerhard Gottschalk nicht näher erläutern.

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