Gesundheit : Droge schottisches Hochland

GREGOR C.BLACH

Ein abgebundener Arm, ein Löffel über einer Kerze, eine Spritze in der Haut.Szene aus dem Kinofilm Trainspotting.Schauplatz: Edinburgh.Wenige Wochen vor meinem Studienaufenthalt in der schottischen Hauptstadt läuft der Drogenfilm an.Gleichzeitig kürt "Der Spiegel" Glasgow und Edinburgh zu den Drogenhauptstädten Europas.Ein Armutszeugnis für den wirtschaftlich vernachlässigten Norden des Vereinten Königreiches.Bepackt mit Warnungen, Ratschlägen und guten Wünschen gehe ich das Abenteuer Auslandssemester an.Mein Ziel: Napier University Edinburgh - Studiengang Kommunikation.

Eine Universität mit über 10 000 Studenten, hervorgegangen aus einer Polytechnic (Fachhochschule), die - seit 1992 mit dem Universitätsstatus ausgestattet - versucht, sich gegenüber der renommierten Edinburgh University zu etablieren.Mit Erfolg.Zu meinem Semesterstart kann das zukunftsweisende Departement Kommunikation, Medien und Journalismus in ein frisch renoviertes Herrenhaus ziehen.Es liegt auf einem Hügel und bietet einen herrlichen Blick auf die Burg, das Zentrum der Stadt, den ehemaligen Vulkan Arthurs Seat und die Nordsee.

Edinburgh, die Stadt des Festivals, Athen des Nordens und bald wieder Sitz eines schottischen Parlaments, ist aber auch eine studentenfreundliche Stadt.Überall gibt es Ermäßigungen: in Theatern, Kinos, Museen, bei Zeitungen, in allen Clubs und Discos der Stadt, selbst große Kaufhäuser gewähren bei Vorlage eines Studentenausweises mindestens zehn Prozent Nachlaß.

Wie populär Edinburgh bei Studenten ist, merkt man spätestens bei der Zimmersuche, die sich außerordentlich schwierig gestaltet.Die meisten Zimmer und Studentenwohnplätze sind schon weit vor Semesterbeginn vermietet.Wohngemeinschaften sind eher unüblich und daher noch begehrter.Dementsprechend bilden sich die Preise.Für ein warmes Zimmer muß man mindestens eine Woche das Uniwohnungsamt belagern und mit 200 Pfund pro Monat, etwa 600 Mark, rechnen.Hinzu kommen die Studiengebühren.Während Erasmus-Studenten das Privileg genießen, für Ihren Aufenthalt sogar noch EU-Gelder zu erhalten, müssen alle anderen mit Studiengebühren von rund 3000 Mark für ein akademisches Jahr (September bis Juni) kalkulieren.

Die Begrüßung der über 500 internationalen Studenten an der Napier University ist dagegen um so herzlicher.Es gibt Kennenlernspiele, eine Stadtrundfahrt und ein gemeinsames Essen.Die weitere Betreuung ist durch ein Seminar gesichert, das speziell für ausländische Studierende angeboten wird.

Unter dem Titel "Scottish Culture and Society" gibt es Ausflüge nach Glasgow, Firmenbesichtigungen und eine Einführung in schottische Bräuche, Lyrik, Gesänge und Tänze, die berühmten Ceilidhs.Anlässe dafür gibt es besonders im Winterhalbjahr genug: Halloween, St.Andrews Day, Burns Night (der Geburtstag des Nationaldichters Robert Burns) und - natürlich - Hogmanay, das schottische Sylvester ist inzwischen die größte Neujahrsparty Europas.

Zwischen den einzelnen Festen muß auch in der Uni ordentlich gelernt werden.Der Unterricht ist überraschend verschult.Hausaufgaben und Anwesenheit werden regelmäßig kontrolliert.Die Inhalte werden durch Dozenten vermittelt, da es im ganzen Departement nur einen Professor gibt.

Vorbildlich ist die Computerausstattung der Universität, was damit zusammenhängt, daß in Schottland der Homecomputer noch nicht den Einzug in die Kinderzimmer geschafft hat.Nahezu auf jeder Etage der einzelnen Unigebäude gibt es Computerräume, auch für Apple Macintosh, ebenso in den Bibliotheken, die untereinander vernetzt sind.Jeder Student erhält mit seiner Einschreibung automatisch einen Internet-Zugang.Die Matrikelnummer ist gleichzeitig die E-Mail-Adresse.Das Angebot wird ausgiebig genutzt, und die Computerlabs werden so zu geschäftigen Treffpunkten.

Sie werden nur noch übertroffen von den Pubs, die schon zur Mittagszeit zahlreich frequentiert werden.Eine Tüte Chips und ein Pint of Lager sind die beste Vorbereitung für das nächste Tutorial.Geführt werden die Pubs auf dem Campus von der Studentenvereinigung, die auch die zahlreichen Freizeitaktivitäten der Universität organisiert und koordiniert.Die Nachmittage ab vier Uhr sind grundsätzlich frei für diese sogenannten Societies.Das Angebot reicht von Sportarten, wie Golf (natürlich!) und Skifahren in den Schottischen Bergen bis zur Gay oder der Asian Group.

Für mich war die Teilname an der Theatergruppe eine hervorragende Gelegenheit, Studenten aus anderen Fakultäten kennenzulernen.In einer ehemaligen Kirche als kurzsichtiger Priester in einer Mittelalterkomödie auf der Bühne zu stehen, gehört sicher zu den unvergeßlichen Augenblicken meines Auslandssemesters.Ebenso beeindruckend die Ausflüge in die Highlands mit dem ebenfalls Uni-eigenen Bergclub.Jedes zweite Wochenende machen sich 20 Studenten in die zwei Autostunden entfernt liegenden Berge auf.Die Highlands sind neben Whiskey und Bier übrigens die einzige Droge, die ich in Schottland zu Gesicht bekam.

Informationen (Studiengang Communication): Sheila Lodge, Craighouse Road, Edinburgh EH 10 5 LG, Scotland, Telefon 0044-131-455 61 51; Napier University allgemein: 219 Colinton Road, Edinburgh EH 14 1DJ, Telefon 0044-131-444 22 66, Internet: www.napier.ac.uk

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben