Gesundheit : Drogen bahnen den Weg

Neues Zentrum soll Früherkennung von Psychosen fördern

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Auch wenn Heroin inzwischen eine etwas geringere Rolle spielt: Mit schätzungsweise 75 000 Alkohol und 500 000 Nikotinabhängigen, mit zahlreichen Konsumenten von Partydrogen und Cannabisprodukten hat Berlin ein Drogenproblem. Seit dem Wochenende besitzt es eine neue Einrichtung, die in Sachen Sucht Forschung und Praxis besser vernetzen soll. Die Berlin-Brandenburgische Suchtakademie wurde an der Charité aus der Taufe gehoben. Die Akademie will sich neben der Forschung auch der Öffentlichkeitsarbeit widmen. Dazu gehört zum Beispiel die Fortbildung von Lehrern.

Anlass der Neugründung war die Berufung des Suchtforschers Andreas Heinz, der vom Mannheimer Zentralinstitut für Seelische Gesundheit kommt und nun als neuer Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité arbeitet.

Die Arbeitsgruppe Suchtforschung der Klinik hat sich schon zuvor wissenschaftlich mit der Frage beschäftigt, wie Sucht entsteht. Dabei konnten Hirnareale identifiziert werden, die bei der Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit mitwirken. In den vergangenenen Jahren erregte zudem der Zusammenhang zwischen Psychosen und Drogenkonsum die Aufmerksamkeit der psychiatrischen Suchtforscher. Denn es gibt deutliche Hinweise darauf, dass bei Menschen, die dafür gefährdet sind, eine Schizophrenie früher ausbricht und einen schlimmeren Verlauf nimmt, wenn sie Cannabis oder Partydrogen wie Ecstasy nehmen.

Außerdem gibt es eine Gruppe von jungen Betroffenen, die die ersten Symptome der Krankheit – Antriebsarmut, Konzentrationsstörungen, aber auch Wahnvorstellungen und Halluzinationen – mit Cannabis und synthetischen Drogen selbst zu behandeln versuchen. Oft anfangs mit gutem Erfolg, doch nach einiger Zeit werden die Symptome dafür umso schlimmer.

Mit dem Früherkennungszentrum für Schizophrenien, dem ersten im Nordosten der Republik, will man sich an der Charité nun verstärkt der Erkennung von Frühstadien psychotischer Erkrankungen widmen. Dabei werden neben der genauen Patientenbefragung auch Gentests und Gehirn-Aufnahmen eine Rolle spielen. „Je früher man eingreift, desto besser kann der Verlauf beeinflusst werden“, sagt Oberarzt Georg Juckel. aml

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