Gesundheit : Drücken im Rücken - Sportlehrerin Kerstin Petzsche über verspannte Studentennacken (Interview)

Welche Probleme kommen bei Schreibtisch-Arbeitern

Kerstin Petzsche ist Sport- und Yoga-Lehrerin. Sie unterrichtet an der Humboldt-Uni und in Volkshochschulen. Das Interview führte Josefine Janert.

Welche Probleme kommen bei Schreibtisch-Arbeitern häufig vor?

Verspannungen im Lendenwirbel-Bereich und im Nacken. Das hängt mit den täglichen Gewohnheiten zusammen. Wer regelmäßig eine ungünstige Haltung einnimmt, sorgt dafür, dass Muskeln immerzu angespannt oder ständig überdehnt werden. So entsteht ein Ungleichgewicht.

Wie lange dauert es, bis bleibende Schäden auftreten?

Das hängt von den körperlichen Voraussetzungen ab. Studien zum Thema Rückenschmerzen zeigen, dass schon Mittzwanziger an chronischen Beschwerden leiden. Bei 40- bis 50-Jährigen ist der Anteil noch höher. Unser Körper ist dafür geschaffen, sich zu bewegen und nicht zwölf Stunden hintereinander vor einer Diplomarbeit zu verharren. Schlechte Sitzmöbel verschlimmern die Sache noch.

Was ist beim Kauf zu beachten?

Der Tisch muss so hoch sein, dass man die Arme entspannt auflegen kann - ohne die Schultern hochziehen zu müssen. Notfalls kann man die Höhe des Stuhles anpassen, ein Kissen auf den Sitz und einen Hocker oder ein dickes Buch unter die Füsse packen. Auf den Computerbildschirm guckt man am besten geradeaus oder leicht abwärts, sonst verspannt sich der Rücken. Die Füsse sollten richtig auf dem Boden stehen, der Rumpf und die Oberschenkel einen Winkel von mindestens neunzig Grad bilden. Das Becken muss aufgerichtet bleiben, damit weder ein Hohlkreuz, noch ein runder Rücken entsteht.

Was tun, wenn die Diplomarbeit tagelanges Arbeit am Schreibtisch erfordert?

Wechseln Sie die Körperpositionen. Nichts spricht dagegen, beim Telefonieren aufzustehen oder zum Nachdenken im Zimmer auf und ab zu gehen. Am günstigsten wäre ein Stehpult für die Lektüre. Fehlt es, legen Sie das Buch auf den Tisch und stützen es hinten mit anderen Bänden ab. Wenn es so schräg lagert, wird der Nacken beim Lesen nicht so stark verspannt.

Wie entspanne ich mich zwischendurch?

Schon zwei- bis dreiminütige Pausen sind hilfreich: sich recken und strecken, die Schultern sechs Mal nach hinten kreisen lassen, die Beine hochlegen und ausschütteln. Günstig wäre ein zehnminütiges Bewegungsprogramm für jeden Tag. Es könnte Elemente aus dem Yoga und der Gymnastik enthalten.

Und in der Freizeit?

Treiben Sie zwei bis drei Mal pro Woche Sport! Dabei geht es nicht um Leistung, sondern um Wohlbefinden. Wirbelsäulengymnastik und Yoga sind für alle jene günstig, die längere Zeit mit dem Sport ausgesetzt haben. Wer schnell ins Schwitzen kommen will, sollte lieber einen Aerobic-Kurs buchen.

Und wie transportiere ich am besten meine Bücher nach Hause?

Wichtig ist, dass die Wirbelsäule aufrecht bleibt, das Gewicht nahe am Körper getragen wird. Benutzen Sie einen Rucksack! Geht das nicht, verteilen Sie die Last wenigstens gleichmäßig auf beide Arme.

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