Gesundheit : Dschungelbuch, letzter Teil

Vom Tiger bis zum Tropenholz: In Asien sind zahlreiche Arten vom Aussterben bedroht

Volker Klinkmüller[Bangkok]

Da staunten die Zöllner auf dem Flughafen von Brisbane nicht schlecht: Gleich zweimal an einem Tag erwischten sie zwei Flugzeug-Passagiere, die mit speziellen Westen unter ihrer Kleidung geschützte Fauna von Singapur nach Australien einschmuggeln wollten! Während die eine 19 Python-Schlangen enthielt, fanden sich in der anderen 52 Eier exotischer Vogelarten.

Damit scheinen neue Dimensionen im Handel mit geschützten Tieren erreicht zu sein, durch den immer mehr Arten an den Rand des Aussterbens geraten. Das gilt besonders für Südostasien, das dieses Mal die „Konferenz zum Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten der wilden Tier- und Pflanzenwelt“ beherbergt. Vom 2. bis zum 14. Oktober treffen sich die Vertreter von 166 Mitgliedsstaaten mit Wissenschaftlern und Naturschützern in Bangkok, um über den Handel mit schützenswerten Tier- und Pflanzenarten zu debattieren.

Der Napoleonfisch, der Weiße Hai und das Tropenholz Ramin gehören nach Angaben des „World Wide Funds for Nature“ zu den zehn Tier- und Pflanzenarten, die im internationalen, auf jährlich insgesamt rund 160 Milliarden Euro geschätzten Handel derzeit am meisten gefragt sind. Der in Korallenriffen lebende, bis zu zwei Meter lange Napoleonfisch wird von Tauchern wegen seiner wulstigen Lippen geschätzt, landet jedoch immer öfter für 100 Euro pro Kilogramm in ostasiatischen Delikatessen-Restaurants. Gleich mehrere tausend Euro kann das vollständige Gebiss eines Weißen Hais einbringen, dessen Kiefer oder Zähne gern als Souvenir verkauft werden – und der als gefürchteter Jäger mittlerweile selbst zum Gejagten geworden ist. Das selten gewordene Tropenholz Ramin indes dient vor allem zur Produktion von Billard-Queues und exklusiven Bilderrahmen. Meist ist das Abholzen aber nur ein erster Schritt für die Zerstörung ganzer Ökosysteme in Südostasien, der dann auch viele andere Tier- und Pflanzenarten zum Opfer fallen.

Der Veranstaltungsort der alle zwei Jahre anberaumten Artenschutz-Konferenz kann besser kaum gewählt sein, gerät die Natur doch gerade in diesem Winkel der Welt immer ärger in Bedrängnis. Einen derartig üppigen, belebten Dschungel, wie er aus den Szenen des berühmten „Dschungelbuchs“ vertraut geworden ist, gibt es in Südostasien fast nur noch in Form von Nationalparks. Und selbst diese bieten zumeist keinen effektiven Schutz: Ob Elefanten, Tiger, bestimmte Schlangen-, Vogel- oder sogar Fischarten – die Liste der vom Aussterben bedrohten Fauna wird mit beängstigender Geschwindigkeit immer länger. Nicht nur durch illegale Jagd und Handel, sondern vor allem durch die Vernichtung natürlichen Lebensraums auf Grund von Holzeinschlag, Landwirtschaft, Umweltverschmutzung oder Tourismus.

Ob die thailändischen Gastgeber angesichts dieser erschreckenden Entwicklung auf die Idee kommen, einmal ganz neue Akzente setzen? Das bleibt abzuwarten. Regierungschef Thaksin Shinawatra jedenfalls liebt Großprojekte und schreckt auch nicht davor zurück, wenn eine Autobahn auf Stelzen durch den Golf von Thailand oder eine Seilbahn zur Fels-Terrasse des Nationalparks von Phu Kradung führen soll. Zudem ließen sich seine Minister im vergangenen Jahr gleich zweimal ganz ungeniert und werbewirksam beim „Genuss“ von Haifischflossen-Suppe filmen.

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