Gesundheit : „Du, Du, Du“ – Mit Kreide gegen Kürzungen Die Kunsthochschulen

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„Du, Du, Du“ erhebt sich in den Berliner Straßen seit kurzem mahnend der Zeigefinger. In pastellgelber Kreide grinst das „Du“ von Wänden und Schildern - doch was will es eigentlich sagen? Es wurde schon viel spekuliert: Eine Kampagne der Stadtreinigung zum Müllaufsammeln, verschlüsselte Codes zum Bush-Besuch - aber alles falsch.

Jetzt wurde das Geheimnis gelüftet: Die Studierenden der drei Berliner Kunsthochschulen, „Hanns Eisler“ für Musik, „Ernst Busch“ für Schauspielkunst und die Kunsthochschule Weißensee, haben die Kreide-Graffiti in wochenlanger Arbeit überall in der Stadt platziert. „Du“ steht für „Du sollst nicht an der Bildung sparen“. Damit verleihen die Studierenden der drei Kunsthochschulen ihrem Protest gegen die Kürzungspläne des Senats Ausdruck. Der Hintergrund: Rund 1,7 Millionen Euro sollen die drei Kunsthochschulen in den nächsten zwei Jahren weniger ausgeben. Daher stehen allein 15 Stellen beim Lehrpersonal, die im letzten Jahr aus Geldmangel nicht besetzt werden konnten, nun endgültig auf der Streichliste. Die restliche Summe von etwa einer Million (darin enthalten ist der Beitrag für die Berufsakademie) wird von den drei großen Universitäten in Berlin aufgebracht.

Trotzdem katapultiert der Sparzwang die Kunsthochschulen in eine missliche Lage: Rund 400 000 Euro tief ist das schwarze Spar-Loch noch. Kürzungen beim Lehrpersonal und Mangel an Materialien werden den Lehrbetrieb und das künstlerische Angebot deutlich zurückschrauben.

Kernprofessuren ohne Geld

Die Einsparungen seien ein unmögliches Projekt, da kaum noch Spielraum bestehe, kritisiert der Rektor der Kunsthochschule Weißensee, Rainer Ernst. Eine „Delle“ in der bisherigen Arbeit der Kunsthochschulen sei absehbar. Konkret würden bei der Musikhochschule „Hanns Eisler“ Kernprofessuren für Dirigieren, Klavier und Klarinette auf unbestimmte Zeit nicht mehr besetzt werden können. Bei den anderen Kunsthochschulen sieht es ganz ähnlich aus. Angesichts dessen hat Senator Thomas Flierl (PDS) den „kleinen“ Hochschulen ab 2004 Hochschulverträge versprochen, die den Rahmen für die nächsten Jahre verbindlich regeln. Ernst hält diese für akzeptabel, wenn sie den Kunsthochschulen eine dauerhafte Perspektive bieten.

Klar ist: Gespart wird auch in Zukunft. Daher soll nun eine Strukturkommission überlegen, wie man die Kunsthochschulen weiterführen kann. Eine Option wäre die Zusammenlegung einer der Kunsthochschulen mit der Universität der Künste (UdK). Doch das wollen die Studierenden nicht. Sie befürchten Qualitätsverluste und einen Profilverlust der einzigartigen Hochschulen. Eine Lösung ist noch nicht in Sicht. Derweil malen die Studierenden weiter ihre „Du’s“ an die Berliner Wände: Du, Herr Wowereit... jvm

Die Kunsthochschule Weißensee öffnet am 1. und 2. Juni ihre Türen für alle Interessierten (Bühringstr. 20, Malerei im Monbijou-Park, Oranienburger Straße 77). Infos: www.kh-berlin.de , Telefon 47705 222.

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