Gesundheit : "Duckmäuserische Spießbürger"?

INGO BACH (D.N. dpa)

HU-Studenten verlängern, Potsdamer Studenten beenden Streik / Der Ton wird rauherVON INGO BACH (D.N./dpa)Weiter streiken oder das Semester retten? Diese Frage spaltet die Studierendenschaft der Humboldt-Universität wie ein Keil in zwei etwa gleich große Lager.Das wurde auf der gestrigen Vollversammlung, die des Platzes wegen in den Innenhof des Hauptgebäudes verlegt worden war, für jeden deutlich sichtbar.Als "duckmäuserische Spießer" mußten sich die Streikgegner titulieren lassen, während diese den Befürwortern undemokratisches Gebaren vorwarfen.Der Ton zwischen den Lagern wird rauher. Augenfällig wurde der Graben unter den Studierenden bei der Abstimmung.Da sich per Handzeichen keine klare Mehrheit für oder gegen die Fortführung des Streiks abzeichnete, entschied man sich für das Verfahren des "Hammelsprunges".Säuberlich getrennt zogen Befürworter und Gegner zur Zählung am rechten und linken Hintereingang des Hauptgebäudes - zwischen ihnen ein breiter Streifen Grün.Offensichtlicher konnte der Riß im Seelenleben der HU-Studenten kaum demonstriert werden. Das Ergebnis war denkbar knapp: 1470 Studenten sprachen sich für die Fortsetzung des Streikes aus, 1390 dagegen.Allerdings ist diese Entscheidung zeitlich begrenzt, denn ab Mittwoch läuft an der HU eine Urabstimmung zum Streik.Und diese steht laut Satzung der HU-Studierendenschaft über der Vollversammlung und kann deren Beschlüsse aufheben. Die Urabstimmung war von einigen Studenten initiiert worden."Nur sie bietet eine breite demokratische Legitimation", erklärte Martin Dreßler, einer der Initiatoren."Vollversammlungen können das nicht leisten, im Gegenteil.Als ich auf der letzten Versammlung den Antrag auf Urabstimmung einbringen wollte, wurde ich von den Streikbefürwortern massiv behindert", klagte Dreßler.Erst durch eine Unterschriftenliste, auf der 1300 Namen standen, habe man die Abstimmung durchsetzen können. Bei der Urabstimmung geht es um die Frage, ob der Streik bis mindestens zum 16.Januar fortgeführt oder aber der Lehrbetrieb am 12.Januar wieder aufgenommen werden soll.Ab Mittwoch werden jeweils von 9 bis 15 Uhr drei Wahllokale besetzt sein: im Foyer des Hauptgebäudes, in der Charité und im Gebäude der Wirtschaftswissenschaften.Briefe, mit denen die Studenten zur Teilnahme aufgefordert wurden, habe man nicht verschickt, heißt es bei der Studentenvertretung.Am Freitag abend sollen die Ergebnisse vorliegen, am darauffolgenden Montag treffen sich die HU-Studenten erneut zu einer Vollversammlung. Schon am Montag morgen trafen sich die Medizin-Studenten der HU zu ihrer Vollversammlung.Die etwa 250 Anwesenden verabschiedeten sich ganz leise aus der Streikfront, indem sie die Entscheidung über die Fortsetzung ihres "Teilstreikes" auf die kommende Woche vertagten.Da sich die Medizinstudenten, wie berichtet, vor dem Jahreswechsel für einen bis zum 5.Januar befristeten Boykott aller Vorlesungen (nicht der anderen Lehrveranstaltungen) entschieden hatten und dieser durch die Vertagung nicht verlängert wurde, wird ab heute an der Charité wieder ganz normal studiert. An der Freien Universität soll heute ab 14 Uhr in einer Vollversammlung über die Weiterführung des Streiks beschlossen werden."Eine Urabstimmung halten wir für politisch schwachsinnig, das ist nur Geldverschwendung", sagte eine AStA-Vertreterin auf Anfrage."Die Leute sollen lieber möglichst zahlreich zu den Vollversammlungen gehen.Für uns ist die Vollversammlung das höchste Gremium." An der TU entscheidet die Vollversammlung am Mittwoch um 14 Uhr, ob der Streik fortgesetzt wird. Die Studenten der Universität Potsdam dagegen haben am Montag ihren Streik beendet.Die Vollversammlung, an der rund 1400 Studierende teilnahmen, habe sich aber für weitere Protestaktionen gegen die Einführung von Studiengebühren und Einsparungen an den brandenburgischen Hochschulen ausgesprochen, sagte die Sprecherin des Studierendenrats, Sandra Brunner.Insgesamt sei der Streik als Erfolg gewertet worden.So hätten die Studierenden Gespräche mit der Landesregierung erzwungen."Wenn sich die Landesregierung nicht bewegt, hat sie die Studenten wieder am Hals", meinte Brunner.Auch intern sei der Streik erfolgreich gewesen.So seien vor allem jüngere Semester erstmals mit der Hochschulpolitik konfrontiert und so politisiert worden.

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