Gesundheit : Dufte Farben

Hat der Mensch seine einst feine Nase für besseres Sehen geopfert?

Bas Kast

In dem Film „Der Duft der Frauen“ spielt Al Pacino einen blinden Ex-Offizier, der ein besonderes Gespür für Frauen entwickelt hat – etwa für ihren Geruch. Wenn einer unserer Sinne wegfällt, prägen sich die anderen stärker aus. Die Wissenschaft kann diese Volksweisheit bestätigen. Blinde hören zum Teil mit Regionen ihres Hirns, die andere fürs Sehen benutzen.

Und dieses Prinzip gilt nicht nur für den Einzelnen, sondern vielleicht für die Entwicklung des Menschen überhaupt, wie der Biologe Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig auf dem Hugo-Kongress spekulierte. Wir haben im Laufe unserer Entwicklung offenbar eine einst äußerst feine Nase geopfert. Wofür? „Für das Sehen von Farben“, sagte Pääbo.

Mensch, Maus und Affe haben in etwa die gleiche Zahl von „Geruchsgenen“, um die 1000. Ein Teil dieser Gene jedoch wurde im Laufe der Entwicklung zu „Pseudogenen“ – die Erbanlagen für die Sinneszellen in der Nase sind zwar noch da, funktionieren aber nicht mehr. Bei der Maus sind 16 Prozent der Geruchsgene stillgelegt. Bei unseren nahen Verwandten aus Afrika, den Schimpansen oder auch Gorillas, sind es 30 Prozent. Beim Menschen sind sogar über die Hälfte der Geruchsgene außer Betrieb.

Bemerkenswerterweise ist das bei fast allen Neuweltaffen (Affen in Nord-, Mittel- und Südamerika) anders: Bei ihnen sind nur wenige Geruchsgene abgeschaltet. Obwohl diese Affen also noch vieles erschnüffeln können, fehlt ihnen wiederum etwas, über das sowohl wir als auch unsere nahen Verwandten verfügen, nämlich das Farbsehen. Neuweltaffen haben in ihren Augen nur zwei Pigmente, während wir drei haben. Doch es gibt eine Ausnahme: den schwarzen Brüllaffen. Dieser Neuweltaffe kann Farben sehen wie wir – dafür ist auch bei ihm ein Drittel seiner Geruchsgene funktionslos.

„Der Zusammenhang zwischen dem Abbau der Geruchsgene und dem Farbsehen ist in der Evolution also zweimal aufgetaucht“, sagte Pääbo. Einmal bei Homo sapiens und dessen haarigen Vettern in Afrika und einmal beim schwarzen Brüllaffen in Amerika. Wir sind also nicht die Einzigen, bei denen die Welt der Düfte nicht mehr so farbig ist, wie sie einmal war.

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