Gesundheit : Durchmarsch zum Master

Von George Turner, Wissenschaftssenator a. D.

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Die Berliner Politik ist wieder einmal dabei, ein Eigentor zu schießen: Alle, die den Abschluss als Bachelor schaffen, sollen auch zum Masterstudium zugelassen werden. Damit würde der Sinn der Reform auf den Kopf gestellt. Vernünftigerweise wehren sich die Universitäten dagegen.

Mit der Einführung eines gestuften Studiensystems soll vor allem erreicht werden, dass nach kürzerer Zeit als bisher berufsqualifizierende Abschlüsse möglich sind. Auch dem hohen Anteil an Studienabbrechern und langen Studienzeiten will man so entgegenwirken. Das Master-Studium soll nur denjenigen offen stehen, die über die fachlichen Voraussetzungen verfügen. Eine entsprechende Eignung wird nun einmal durch Bewertungen festgestellt, durch Noten und zusätzliche Qualifikationsvoraussetzungen.

Wenn in Berlin die Schleusen geöffnet werden, wird dies im Ergebnis zu noch viel schlechteren Befunden führen als zu jenen, die Anlass für die Reform des Studiums waren. Überlange durchschnittliche Studienzeiten (13 bis 14 Semester) und das hohe Durchschnittsalter von Akademikern beim Eintritt in den Beruf (fast 28 Jahre) – beides kann man mit der Umsetzung der Berliner Politik noch steigern.

Wie kann eine solche Absicht mit dem Gedanken einer Spitzenuniversität in Einklang gebracht werden? Gar nicht. Es ist schon problematisch, von Spitzen- oder Eliteuniversitäten zu reden, wenn sie nicht in die Lage versetzt werden, „ihre“ Studierenden selbst auszuwählen, sondern gezwungen sind, alle Bewerber einzuschreiben, solange Plätze vorhanden sind. Wenn aber anspruchsvoll gestaltete Master-Studiengänge von Kandidaten verstopft werden, die dafür nicht die erforderlichen Voraussetzungen mitbringen, kann man die Vorstellung vergessen, dass Berliner Universitäten mit anderen Spitzenuniversitäten mithalten können.

Es bedarf bei der Aufnahme in Master-Studiengänge einer Zäsur: durch die Noten beim Bachelor oder durch eine Eingangsprüfung. Bisher war für die Fehlleistungen der Berliner Wissenschaftspolitik der PDS-Senator Flierl zuständig. Den neuerlichen Blindgänger hat der Senat als Ganzes in die Hochschullandschaft gelegt. Wenn er diesen nicht beiseite schafft, sollten seine Vertreter aufhören davon zu reden, dass die Wissenschaft in Berlin besonders gefördert wird und ein Pfund ist, mit dem man wuchern möchte.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schreiben: g.turner@tagesspiegel.de

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