Gesundheit : Ebola: Endstation Mensch

Adelheid Müller-Lissner

Der Ebola ist ein Fluss in der Demokratischen Republik Kongo. Schlagzeilen macht er durch ein gefährliches Virus. Es kam im Jahr 1976 zu seinem Namen, weil damals an den Ufern des Ebola mehr als 600 Menschen an einem Fieber erkrankten, als dessen Erreger es identifiziert werden konnte. Seitdem traten in Zentral- und Ostafrika immer wieder vereinzelt Neuerkrankungen auf. Jetzt sind im Norden von Uganda, der in den letzten Jahren immer wieder von Bürgerkriegen und Unruhen gebeutelt wurde, schon mehr als 30 Opfer einer neuen Epidemie zu verzeichnen.

Ebola gehört zur Gruppe der hämorrhagischen (griechisch für: mit Blutfluss einhergehenden) Fieber. Gefürchtet sind bei diesen Erkrankungen neben Schüttelfrost, Durchfall, Erbrechen, Schmerzen in Kopf, Hals und Brustraum vor allem die Blutungen von Schleimhäuten und inneren Organen, die bei 50 bis 90 Prozent der Ebola-Kranken zum Tod führen. Als natürliche Wirte einiger Viren gelten vor allem Nagetiere, aber auch Zecken und Moskitos. Menschen stellen meist das Endglied der Infektionskette dar. Für die Gruppe der Filoviren, zu denen der Ebola-Erreger gehört, sind die Virus-Reservoirs bisher noch weitgehend unbekannt. Das ebenfalls zur Gruppe gehörige Marburg-Virus, benannt nach seinem erstmaligen Beobachtungsort Marburg an der Lahn, trat bei Tierpflegern und Laborpersonal der dortigen Behring-Werke auf, die Kontakt mit Gewebe grüner Meerkatzen hatten. Viren eines Ebola-ähnlichen Typs, der jedoch nicht auf den Menschen übergeht, wurden bei Affen aus den Philippinen gefunden.

Die Krankheit wird von Mensch zu Mensch übertragen, jedoch nur bei engem Körperkontakt und Austausch von Körperflüssigkeiten. Sie verläuft häufiger schwer als das ebenfalls hämorrhagische Lassa-Fieber, an dem im letzten Jahr eine deutsche Studentin nach einem Westafrika-Aufenthalt erkrankte und starb. Ein großes Problem sind schlechte hygienische Verhältnisse in Krankenhäusern, die die Gefahr erhöhen, dass Patienten direkt durch ihre Mitpatienten oder durch die - selbst extrem gefährdeteten - Ärzte und Pflegekräfte infiziert werden. Dass Reisende infiziert werden könnten, ist dagegen unwahrscheinlich, denn die bisher betroffenen Gebiete Zentral- und Ostafrikas werden selten von Touristen besucht. Zusätzlich unwahrscheinlich ist, dass sie engen Körperkontakt zu bereits Infizierten und Kranken aufnehmen.

In der Regel dauert es nach der Ansteckung nur wenige Tage, bis ein uncharakteristisches Fieber ausbricht, oft begleitet von Hautausschlag. Nach Mitteilung des Auswärtigen Amtes ist es deshalb zusätzlich unwahrscheinlich, dass schon Erkrankte ihre Mitreisenden auf dem Rückflug anstecken. "Eine Verbreitung von Ebola bei uns in Deutschland ist so gut wie ausgeschlossen", meint auch Ulrich Bienzle, Leiter des Instituts für Tropenmedizin in Berlin.

Anhand der Krankheitszeichen kann Ebola nicht sicher von anderen hämorrhagischen Fiebern unterschieden werden. Gewissheit gibt den Medizinern allein der Nachweis des Erregers. Bisher gibt es - wie bei vielen anderen durch Viren übertragenen Krankheiten - keine wirklich ursächliche Behandlung dieser nach dem Bundesseuchengesetz meldepflichtigen Krankheit. Die Heilungschancen vergrößern sich jedoch durch intensive Pflege und die Behandlung der Symptome, vor allem des großen Wasserverlusts. Versuche werden auch mit Serum gemacht, das von Erkrankten stammt, die sich in der Erholungsphase befinden und Antikörper gegen den Erreger gebildet haben. Auf jeden Fall ist strengste Isolierung der Erkrankten nötig, wie sie in Berlin in der Seuchenisolierstation der Charité möglich ist - einer von fünf Spezialeinrichtungen, die es in der Bundesrepublik in Städten mit großen Flughäfen inzwischen gibt. Eine Impfung ist nicht möglich.

Mit bisher schätzungsweise 1000 Todesfällen ist Ebola, wie auch die anderen hämorrhagischen Fieber, insgesamt eine seltene Tropenkrankheit. Eine viel bedeutendere Herausforderung für die Forschung und die Patientenbetreuung sind die "großen" Tropenkrankheiten, also Malaria, Durchfallerkrankungen, Leishmaniose (einer Parasitenkrankheit, die von Sandmücken übertragen wird), nicht zuletzt aber Tuberkulose und Aids. Etwa jeder zehnte Erwachsene in Uganda ist nach Informationen des Forums Reisen und Medizin HIV-infiziert, trägt also den Aids-Erreger in sich. Allein an Malaria sterben pro Jahr zwei Millionen Menschen in aller Welt. Auch Reisende, die die Vorsichtsmaßnahmen versäumen, sind gefährdet. Die Aufmerksamkeit der Medien wird bei diesen "gewöhnlicheren" unter den exotischen Krankheiten jedoch meist erst geweckt, wenn ein Prominenter erkrankt.

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