EDITORIAL : Motor der Gesundheitsstadt Berlin

Detlev Ganten, der Vorstandsvorsitzende der Charité, über Universitätsmedizin in Berlin.

Detlev Ganten

„Hier baut die Charité für die Gesundheitsstadt Berlin.“ Dieses Spruchband ziert unser Bettenhochhaus am Campus Charité Mitte. Hinter dem Banner und dem monatlich wechselnden Riesenposter haben die Renovierungsarbeiten begonnen. Aber wir investieren nicht nur in das Hochhaus: In Mitte steht auch ein neues Gebäude für Vorklinik und Forschung an, in Steglitz werden der OP- und Intensivbereich sowie das Bettenhaus saniert, in Buch beginnen noch 2007 die Arbeiten für einen neuen Forschungsbau. Die Ambulanzen werden an allen Standorten konzentriert und optimiert. Insgesamt haben wir Investitionen in Höhe von 500 Millionen Euro mit Unterstützung des Aufsichtsrates angemeldet und sind dankbar dafür. Wir stärken damit unsere Rolle als Innovationsmotor und Anbieter medizinischer Spitzenleistungen in Berlin.

Zugleich konzentriert sich die Charité auf ihre Kernstandorte in Mitte, Steglitz, Wedding und Buch. Der Außenstandort Monbijoustraße konnte bereits erfolgreich verkauft werden, und andere einzelne Gebäude folgen. Wir verkaufen diese nicht nur, um Geld für die Charité zu verdienen, sondern weil es gut für unsere Mission ist, wenn Forschung und Klinik enger zusammenrücken: Biomedizinische Innovationen schnell und effizient vom Labor zum Krankenbett zu bringen, ist eine unserer vornehmsten Aufgaben.

Damit ist der grundlegende Reformprozess, in dem sich die Charité seit dem Fusionsbeschluss von 2003 befindet, in eine neue Phase eingetreten. Wir haben jetzt erstmals für die gesamte Berliner Universitätsmedizin eine klare Zukunftsperspektive. Die Unsicherheiten und unsäglichen Standortdiskussionen sind Vergangenheit. Die Fortschreibung des Unternehmenskonzepts „Charité 2010“ und der Masterplan „Charité 2015“ mit seinem integrierten Betriebs- und Flächennutzungskonzept für alle Standorte sind wichtige Grundlagen zur wirtschaftlichen Betriebsführung und langfristigen Investitionsplanung. Die Charité schreibt schwarze Zahlen, und sie hat mit der Stiftung Charité einen unternehmerischen Partner gewonnen. Die Charité ist strategisch so gut aufgestellt wie noch nie in ihrer jüngeren Geschichte.

Die nun folgende, mehrjährige Umsetzungsphase wird der Vorstand transparent gestalten. An der spannenden Aufgabe, die Charité umzubauen, sollen alle beteiligt werden. Sicher wird es unbequeme Maßnahmen geben müssen, die zeitweise Patienten und Mitarbeiter belasten. Aber es lohnt sich, bei der Verwirklichung eines großen Zieles mitzuhelfen. Gemeinsam wollen wir den jetzt gewonnenen Schwung nutzen.

Wenn ich durch das Fenster meines Büros auf das verkleidete Hochhaus blicke, muss ich an die Verhüllung des Reichstages durch Christo und Jeanne-Claude denken. Die Verpackung stärkte die Spannung auf das neue Gebäude. Zu unserem 300-jährigen Jubiläum in Jahr 2010 soll der Vorhang weichen und den Blick frei geben auf den Leuchtturm der Lebenswissenschaften – das Wahrzeichen der neuen Charité und der deutschen Biomedizin. Detlev Ganten

Der Autor ist der Vorstandsvorsitzende der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

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