Gesundheit : Ehrung für Zahlenkünstler

Der Mathematiker Jean-Pierre Serre nimmt den Abel-Preis entgegen

Josefine Janert

Einen Nobelpreis für Mathematik gibt es nicht. Die norwegische Akademie der Wissenschaften hat als würdigen Ersatz den Abel-Preis gestiftet, der mit 760 000 Euro dotiert ist und fortan jedes Jahr vergeben werden soll. Er ist nach dem norwegischen Mathematiker Niels Henrik Abel benannt, der 1829 mit 26 Jahren an Tuberkulose starb, nachdem er in Oslo, Paris, Kopenhagen und Berlin tätig war. Als Erster erhielt jetzt der Franzose Jean-Pierre Serre die Auszeichnung aus der Hand des norwegischen Königs Harald.

Der 1926 geborene Serre ist Professor Emeritus des Collège de France in Paris. In seinem Fach gilt er als Universalist. Tätig war Serre in der Topologie, die sich mit den Eigenschaften geometrischer Gebilde beschäftigt und in der algebraischen Geometrie, die sich mit geometrischen Lösungen von Polynomgleichungen befasst. Serres Arbeiten sind auch eine Weiterentwicklung der mathematischen Ergebnisse Abels, etwa des Satzes, nach dem sich algebraische Gleichungen fünften oder höheren Grades mit Hilfe von Wurzeln nicht mehr lösen lassen. Bei der Ehrung in Oslo sagte Serre, die Auszeichnung solle das Interesse der Öffentlichkeit an der Mathematik wecken und junge Menschen begeistern.

In der Liste der beliebtesten Studienfächer in Deutschland steht die Mathematik an fünfzehnter Stelle. Zu denen, die angesichts der Rechenkunst leuchtende Augen bekommen, gehören Roman Priebe und Michael Hofmann. Zusammen mit drei weiteren Schülern von der Herder- Oberschule in Charlottenburg haben die beiden 19-Jährigen für ihr mathematisches Können den Niels-Henrik-Abel-Preis für Berliner Schüler gewonnen, den die norwegische Botschaft im Mai zum ersten Mal ausgeschrieben hatte.

Alle fünf Abiturienten wurden zur Verleihung des Abel-Preises an Jean-Pierre Serre nach Oslo eingeladen. Nach dem Zivildienst will Hofmann an einer Berufsakademie Informatik studieren, Priebe hat sich an der Universität von Cambridge beworben und muss noch zwei Tests bestehen, um dort für das Fach Mathematik angenommen zu werden. Er begeistert sich für die Zahlenkunst, „weil alles so schön schlüssig ist“, sagt der Schüler, der auch Shakespeare mag – am liebsten im Original: „Wenn ich ein gutes Buch lese und mich mit einer Mathematikaufgabe beschäftige, ist das ein ähnliches Gefühl. Beides würde ich nicht kurz vor dem Ende aus der Hand legen, nur weil das Essen fertig ist.“

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