Gesundheit : Eiertänze

Karl-Heinz Heinemann

"Wenn demnächst Pisa veröffentlicht wird, dann müsst ihr euch aber warm anziehen." Diese Drohung kursiert in deutschen Kultusministerien, wenn von der bisher größten internationalen Schulleistungsuntersuchung die Rede ist. Gemeint sind Nordrhein-Westfalen, Gesamtschulen, Alt-68er und andere Leistungsverweigerer. Hier ein Anruf, dort ein vertrauliches Gespräch: Deutschland werde wieder einmal grausam schlecht abschneiden. Vor allem aber werde bemängelt, dass die schwachen Lerner unter die Räder kommen.

In kaum einem Land sei die Schullaufbahn so stark vom sozialen Hintergrund der Eltern abhängig wie in Deutschland. Als der Max-Planck-Wissenschaftler Eckhard Klieme mit dieser Äußerung im Tagesspiegel zitiert wurde, wurde endgültig eine Geheimhaltung verhängt, als gelte es, die Codierung des menschlichen Genoms oder ein höchst gefährliches biologisches Kampfmittel vor gefährlichen Mitwissern zu schützen. Ministerielle Pressesprecher wissen von nichts. Interviewwünsche, die man einfältig mit dem Hinweis auf Pisa vorträgt, werden gleich abgelehnt, und wenn ein Interview, dann darf das Wort Pisa nicht fallen.

Die Kultusminister und das Pisa-Konsortium bereiten die Veröffentlichung der ersten Testergebnisse im Dezember vor wie andere einen Bombenangriff gegen ein Terroristennest: Gerüchte werden gestreut, dürfen aber weder verifiziert noch richtig veröffentlicht werden. Desorientierung und Vorbereitung einer möglichst breiten Streuwirkung ist die Folge. Kollateralschäden scheinen unvermeidlich.

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