Gesundheit : Ein abgebrochener Akademiker verhöhnt seine Ex-Kollegen

Josefine Janert

Bernd Zeller sieht die Perspektive des Jung-Akademikers düster: Auf dem Einband hockt ein Student in Bettlermanier vor einer Mauer, den Hut für die Münzen vor die Schuhe gestellt. Vielleicht kommt ja jemand vorbei und spendet ihm ein paar Groschen. Denn das Studium, so viel ist klar, garantiert einem keineswegs eine sichere Zukunft. Eher trägt es dazu bei, dass man Depressionen bekommt und sich verzettelt.

Bernd Zeller schreibt hauptberuflich Gags für die Harald-Schmidt-Show und arbeitet in Jena für einen lokalen Fernsehsender. Für den Rake Verlag in Rendsburg hat der 1966 geborene Autor "101 Gründe nicht zu studieren" zusammen getragen. Wer Zeller glaubt, der rennt so schnell wie möglich zur Universitätsverwaltung und beantragt seine Exmatrikulation. Denn an der Hochschule ist alles furchtbar: der Kaffee in der Mensa, die laschen Professoren, die ehrgeizigen Kommilitonen. Zeller muss es wissen. In den letzten zehn Jahren hat er erst ein Medizin-, dann ein Jurastudium abgebrochen. Jetzt widmet er sich voll und ganz seiner Comedy-Karriere. Von der lichten Höhe seines Erfolgs blickt er noch einmal zurück in die Niederungen des Akademiker-Alltags und plaudert im wissenden Ton über die Trottel an der Alma mater. Dabei wird kein Klischee ausgelassen - weder der sich selbst analysierende Psychologiestudent, noch die kreativen Wirrköpfe von der Theatergruppe. Besonders originell ist das kaum. Die kurzen Texte über die einzelnen Menschen-Typen an der Universität bringen einen höchstens zum Schmunzeln, nicht aber zum lauten Lachen. Dafür steckt zu wenig Phantasie drin. Zellers Gedanken über die Hochschule lassen sich mit dem Satz zusammenfassen, der schon auf Seite 7 steht und die Lektüre der restlichen Seiten überflüssig macht: "Wer davonkommt, ohne ruiniert zu werden, kann von Glück reden."Bernd Zeller: 101 Gründe nicht zu studieren. Rake Verlag, Rendsburg 1999, 16 Mark 90.

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