Gesundheit : Ein Besuch in dem Neubau im Technologiepark im Süden Berlins - über 50 Firmen aus der Branche haben sich angesiedelt

Heiko Schwarzburger

Weiträumig und sonnendurchflutet: Das neue Adlershofer Informatikzentrum verkörpert den ungebundenen Geist. Auf Säulen gelagert, wölbt sich die Decke in luftiger Höhe, dazwischen hängen ellipsenförmige Besucherinseln wie geparkte Ufos. Gegenüber der hellen Glasfront steigen die Büros auf, in übersichtlichen Gängen geordnet. Ein Haus der kurzen Wege. Obwohl erst im Februar eröffnet, zogen bereits mehr als 20 Firmen ein. "Von 3200 Quadratmetern vermietbarer Fläche sind noch 60 Quadratmeter frei", berichtet Managerin Susann Niemeyer nicht ohne Stolz. "Der Andrang ist so groß, dass wir das Innovationszentrum erweitern wollen."

27 Millionen Mark kostete der Neubau, der nun mehr als 100 Arbeitsplätze bietet. Wenn einmal die mathematisch-naturwissenschaftlichen Institute der Humboldt-Universität in Adlershof angesiedelt sein werden, dann geht das Konzept auf: Im Innovationszentrum begegnen sich Unternehmer und Wissenschaftler. Neben dem Neubau des Innovationszentrums erhebt sich ein alter Plattenbau aus der DDR. Er gehört ebenfalls zum Informatikzentrum. Auf dem gesamten Adlershofer Areal haben sich über 50 Firmen aus der Branche angesiedelt.

"Auch wenn unser neues Gebäude fast vermietet ist, weisen wir interessierte Firmen nicht ab", berichtet Susann Niemeyer. "Wir können sie in anderen Gebäuden unterbringen." So bezog die Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD) in unmittelbarer Nähe einen anderen Plattenbau der früheren Akademie der Wissenschaften der DDR. Ihr Forschungsinstitut für Informationstechnik ist einer von zwei wichtigen Stützpunkten der GMD in Berlin. Im Herbst des vergangenen Jahres schloss auch die Informatik-Fakultät der HumboldtUniversität ihren Umzug ab und nahm den regulären Lehrbetrieb in Adlershof auf. Ihr Gebäude kostete 45 Millionen Mark und wurde über Fonds frei finanziert.

Das Geld für das Innovationszentrum Informatik brachten der Bund und das Land Berlin gemeinsam auf. Zehn Prozent steuerte die Betreibergesellschaft des Adlershofer Geländes, die Wista Management GmbH, bei. Das Innovationszentrum ist ein Sammelpunkt für kleine und mittlere Unternehmen, die ihr tägliches Brot mit Dienstleistungen und Produkten der Informatik verdienen. Datenbanken, Geschäftssoftware mit künstlicher Intelligenz, Bildverarbeitung und virtuelle Realität gehören zum Spektrum der im Innovationszentrum angesiedelten Firmen. Sie sollen von der Kooperation mit den großen Denkerzellen profitieren. Die GMD verfügt über Computer mit exorbitanter Rechenleistung, die sich kaum ein Unternehmer leisten kann.

Der ganze Campus ist durch ein Glasfasernetz verkabelt, das Daten mit höchster Geschwindigkeit übertragen kann. Die Kabel im neuen Innovationszentrum kann der Mieter je nach Wunsch selbst konfigurieren. "Wir bieten in erster Linie technische Unterstützung im Haus an", sagt Susann Niemeyer. "Die Firmen, die bei uns einziehen, sollen weitgehend unabhängig agieren."

Die Gesellschaft für Steuerungs- und Informationssysteme (GSI) zum Beispiel entwickelt Standardsoftware zur Steuerung automatischer Produktionsprozesse, unter anderem für die Herstellung von Zeitungen. Die Tochtergesellschaft der PSI AG beschäftigt 40 Mitarbeiter. In Adlershof lässt die Deutsche Bahn AG ihre Fahrpläne testen - im Rechner, versteht sich. Der Unternehmensverband Informationssysteme (UVI) hat sich ebenfalls im Innovationszentrum Informatik eingemietet.

Die Informatik ist auf dem Sprung, alle anderen wissenschaftlichen Disziplinen und Branchen zu durchdringen. Das Adlershofer Informatikzentrum stützt sich dabei vor allem auf Anwendungen im Verkehrswesen und im Umweltbereich. Die Firma IFS Designatelier GmbH wurde 1997 gegründet und befindet sich seit 1998 in Adlershof. Vorläufig im Plattenbau untergebracht, zog sie faktisch als einer der ersten Mieter in das neue Innovationszentrum ein. Sie hat die schwierige Gründungsphase hinter sich, agiert erfolgreich auf dem hart umkämpften Markt. "Wir haben gemeinsam mit einem Hersteller in Poznan (Posen) eine neue Generation von Nahverkehrsbussen entwickelt und zur Serienreife gebracht", berichtet Jochen Dittrich, Geschäftsführer der IFS Designatelier GmbH.

"Dazu waren umfangreiche Abstimmungen notwendig. Sowohl unsere Designer als auch das Konstruktionsbüro in Poznan arbeiten mit Silicon-Graphics-Rechnern, die genau aufeinander eingespielt werden mussten." Schon bei einer Abweichung der Daten von wenigen Hundertsteln summiert sich der Baufehler über die Länge des Busses auf mehrere Zentimeter. "Deshalb mussten wir die Daten erheblich verfeinern. Die Datenmenge wuchs um ein Vielfaches. Alle Informationen wurden über das Internet zwischen Berlin und Polen verschoben."

Die IFS Designatelier GmbH entstand als Ausgründung aus dem in Berlin ansässigen kanadischen Schienenfahrzeugbauer Bombardier Transportation. Mit dem Bus betraten die Ingenieure und Designer Neuland. "Wir haben es geschafft, die Entwürfe für den Bus und die Datensätze so weit zu optimieren, dass die Vorlagen sofort in die Fertigung gehen konnten. Normalerweise dauert die Entwicklung eines neuen Busses zwei Jahre", sagt Jochen Dittrich. Zum Jahreswechsel begannen die Arbeiten, ganze vier Monate später, pünktlich zur Branchenmesse im Mai in Poznan, stand der erste Bus bereit.

"Dieser Prototyp hat jetzt schon einige tausend Testkilometer hinter sich. Der Serienstart ist für den September geplant." Ermutigt durch dieses Kunststück, wollen die Berliner Computerdesigner gemeinsam mit ihrem polnischen Partner bis zum Jahresende einen neuen Reisebus auflegen. Aber der Bus ist nicht das einzige Erfolgsprodukt. Die IFS Designatelier GmbH hat die neue Berliner S-Bahn gestaltet, war am Regionalexpress RE 2000 beteiligt, an neuen Doppelstockzügen für Israel und an den Wagen für die Metro in Helsinki. Die IFS betreibt in Adlershof außerdem eine eigene Werkstatt für den Modellbau, im nördlichen Teil des Wista-Geländes auf der anderen Seite der Rudower Chaussee.

Für junge Firmen, die sich erst noch etablieren wollen, ist das Innovationszentrum weniger geeignet. "Solche Interessenten verweisen wir in der Regel an unser Gründerzentrum. Dort gewähren wir über die Vermietung hinaus Unterstützung bei den Geschäftsplänen, bei der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten oder strategischen Partnern", erklärt Susann Niemeyer. "Die Firmen im Innovationszentrum bilden ein Kompetenzzentrum für die angewandte Informatik. Nach Abschluss der Vermietung wollen wir verstärkt die Zusammenarbeit der Firmen untereinander fördern. Das kommt im Augenblick noch zu kurz, aber wir haben ja erst sechs Monate hinter uns."

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