Gesundheit : Ein Diplomat für die Spitze

Der neue Präsident der Freien Universität heißt Dieter Lenzen

Anja Kühne

Ist der Kandidat für Studiengebühren? wollte der Akademische Senat der Freien Universität von Dieter Lenzen wissen, der sich vor der Wahl zum Präsidenten der Hochschule kritischen Fragen stellen musste. Lenzen zog sich mit einer überraschenden Antwort aus der Affäre. Schon ab 2010 werde man die Studierenden fürs Studium bezahlen müssen, um die Nachfrage nach Akademikern befriedigen zu können: „Studiengebühren sind nur ein Verlegenheitsthema,“ sagte Lenzen diplomatisch.

Der 56-jährige Erziehungswissenschaftler ist kein Mensch, der gerne polarisiert. Wegen seiner kommunikativen Anstrengungen in seiner vierjährigen Amtszeit als Erster Vizepräsident konnte er bei der Wahl eine große Zahl von Stimmen der unterschiedlichen Fraktionen und Interessengruppen auf sich vereinen: Er bekam 52 der 58 gültigen Stimmen. Das Wahlgremium, der erweiterte Akademische Senat, besteht aus 61 Mitgliedern. Seine politische Zusammensetzung entspricht der des Akademischen Senats mit 25 Mitgliedern. Der Kandidat für das Amt des Ersten Vizepräsidenten, der Romanist Klaus Hempfer, erhielt von 57 abgegebenen Stimmen 37 Ja-Stimmen. Mindestens 31 Stimmen mussten die Bewerber bekommen, um gewählt zu sein.

Lenzen, der der Hochschulgruppe „Vereinte Mitte“ angehört, die das mittlere politische Spektrum abdeckt, und Hempfer, der zur konservativen „Liberalen Aktion“ gehört, waren die einzigen Bewerber. Lenzen wird Ende Juni den bisherigen Präsidenten Peter Gaehtgens ablösen, der wegen seines Alters nicht für eine zweite Amtsperiode kandidieren darf und Chef der Hochschulrektorenkonferenz wird. In das Präsidium werden im Sommer noch weitere Vizepräsidenten neu gewählt werden. Lenzen schlägt den Mediziner Rudolf Tauber vor. Als Vizepräsidenten, der sich der Naturwissenschaften annehmen soll, will Lenzen den Geologen Helmut Keupp vorschlagen, Schwerpunkt eines weiteren, noch nicht namentlich genannten Vizepräsidenten werden voraussichtlich die Sozialwissenschaften sein. Lenzen bedauerte es, dass sich keine Frau für die Arbeit im Präsidium bereit gefunden hat. Er werde das Frauenthema deshalb zur Chefsache machen.

Lenzen nutzte seine Rede vor der Wahl zu einer weiteren Abrechnung mit Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin. Die „systematische Täuschung der Öffentlichkeit, die Beleidigung der Arbeit unserer Beschäftigten und die Ignoranz gegenüber einer jungen Generation muss beendet werden“, sagte er. Die FU, die in Berlin Nummer 1 sei und sich im bundesweiten Vergleich fast immer unter den ersten zehn finde, müsse sich in Zukunft besser „gegen Argumente auf Dorfschulniveau“ wappnen, indem sie eigene Schwerpunkte, „Cluster“, oberhalb der Fachbereiche bilde, wie etwa „biologische Prozesse“, „Information“ oder „Regionen der Welt“.

Klaus Hempfer wird als Erster Vizepräsident besonders für die Berufungspolitik der Universität zuständig sein. Da er die neue Juniorprofessur für ein „Verschleißprogramm“ für Nachwuchswissenschaftler hält, schlägt er statt dessen vor, befristete C-3-Professuren zu schaffen, auf die es auch Hausberufungen und Berufungen Nicht-Habilitierter geben könnte. Denkbar wären für ihn auch Forschungsassistenten, die gar nicht oder kaum in der Lehre oder der Selbstverwaltung tätig sind.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben