Gesundheit : Ein exzellentes Netzwerk Wie die Kultusminister Spitzenfakultäten fördern wollen

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Man suche fünf Spitzenunis und fördere sie mit je 50 Millionen Euro über fünf Jahre – das sieht das Programm von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) „Brain up!“ vor, das sie im Januar in Berlin vorstellte. Die Bundesländer, egal ob SPD oder CDU-regiert, halten dieses Konzept nicht für sinnvoll (siehe Tagesspiegel vom 3. März). Sie haben ein alternatives Konzept erarbeitet, das ein Exzellenz-Netzwerk von Spitzenfachbereichen vorsieht. Es soll bei ihrer Tagung in Berlin am 4. und 5. März beschlossen werden.

Mehr Geld ab 2006

Das Papier, das dem Tagesspiegel vorliegt, basiert auf folgenden Leitgedanken: Spitzenleistungen müssen in der Forschung, der Lehre und der Nachwuchsförderung gefördert werden. Bis 2005 sollen leistungsstarke wissenschaftliche Cluster, international attraktive Graduiertenschulen sowie herausragende Lehrbereiche zu identifiziert werden, die ab 2006 zusätzliche Gelder bekommen und sich zu einem Exzellenz-Netzwerk zusammenschließen.

Lehre: Rund 50 Fachbereiche deutscher Universitäten sollen besonders gefördert werden, die „transparente und klar strukturierte Studiengänge mit aufeinander abgestimmten Lehrinhalten auf besonders hohem Qualitätsniveau“ anbieten. Sie müssten dafür unter anderem nachweisen, dass dort ein hoher Anteil von Bachelor- und Masterstudiengängen, zusätzliche Betreuungsangebote und außerfachliche Lehrangebote existieren, dass die Absolventenquote hoch und die Abbrecherquoten niedrig sind. Eine Bewertungskommission unter Einbeziehung der Deutschen Forschungsgemeinschaft, des Akkreditierungsrats und von Vertretern der Wirtschaft soll darüber entscheiden, welche Fachbereiche den Zuschlag erhalten.Die Finanzierung der besten Lehrbereiche soll den Ländern obliegen.

Nachwuchsförderung: Sie soll mit Hilfe von neu einzurichtenden Graduierten-Zentren Impulse erhalten. 20 bis 30 Graduiertenzentren sollen, unter Einbeziehung außeruniversitärer Einrichtungen, in einzelnen Wissenschaftsgebieten an den Universitäten entstehen. Diese Graduiertenzentren werden durch die DFG ausgeschrieben, die sie auch finanzieren soll, unter besonderer finanzieller Beteiligung des Bundes und unter Beteiligung des jeweiligen Sitzlandes.

Forschung: 20 bis 30 „Zukunftscluster“ sollen gefördert werden, in denen bereits jetzt internationale Spitzenleistungen erbracht werden. Fachbereiche und Fakultäten kooperieren dabei mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen und gegebenenfalls mit Wirtschaftsunternehmen. Antragsteller ist die jeweilige Hochschule, die auch mehrere Zukunftscluster einwerben kann. Die DFG soll die Cluster ausschreiben und sie unter maßgeblicher Beteiligung des Bundes finanzieren. Das Programm der Kultusminister sieht mehrere Bewerbungsdurchgänge vor. Fachbereiche können sich also nach Ablauf von fünf Jahren erneut bewerben und auch erneut gefördert werden.

Lenkt Bulmahn ein?

„Ein sehr gutes Papier“, sagt der sächsische Wissenschaftsminister Matthias Rößler (CDU), „hoffentlich lenkt jetzt auch Frau Bulmahn ein“. Denn im Grunde seien sich doch alle maßgeblichen politischen Kräfte einig im Ziel – der Elitenförderung. Und schließlich habe sein rheinland-pfälzischer Kollege Jürgen Zöllner (SPD) an dem KMK-Papier maßgeblich mitgewirkt. Schade sei nur, so Rößler, dass dabei Aussagen zur Studentenauswahl und zur Hochschulfinanzierung durch Studiengebühren herausgefallen seien.

Am Ende hätte Bulmahns Wettbewerb um die „Spitzenunis“ doch noch eine Chance. Die Kultusminister halten es nämlich für möglich, dass sich auf diese Weise im Laufe der Jahre Spitzenuniversitäten herauskristallisieren, die in mehreren Bereichen immer wieder Erfolg haben. Wie viele das wohl sein werden? Vielleicht fünf. D.N. /-ry

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