Gesundheit : Ein Gespenst geht um

FLORIAN URSCHEL

ist Erstsemester in Berlin – und Bachelorstudent Um einmal Lehrer werden zu können, muss ich an der Uni vier Disziplinen beherrschen: Deutsch, Geschichte, Erziehungswissenschaft – und Bachelor. Die vierte steht nicht auf dem Stundenplan, aber es ist die Disziplin, die am wichtigsten zu sein scheint. In jedem Seminar, in jeder Vorlesung: der Bachelor bestimmt unser Denken und Tun.

Nicht, dass wir in den Veranstaltungen ständig über den neuen Abschluss plaudern würden. Im Gegenteil: Weil das Bachelorstudium nach drei Jahren vorbei sein soll, müssen wir uns mit unserem Lernstoff tüchtig ranhalten. Eine Dozentin sagte neulich: „Wofür die Magisterstudenten vier Stunden Zeit hatten, haben Sie jetzt eine Stunde.“ Das heißt: Wir werden mit Wissen überschüttet. Aber anstatt das als schöne Chance zur Weltentdeckung zu begreifen, pauken wir mechanisch alles in uns rein: Schließlich sind die Prüfungen nicht mehr weit. An diese Lernhetze muss ich mich erst mal gewöhnen. Im Bachelorstudiengang bekomme ich nicht nur Woche für Woche ein Paket Hausaufgaben. Zusätzlich schreibe ich am Ende des Semesters sechs Klausuren. Außerdem werde ich mündlich abgefragt. Und dann muss ich noch eine längere Hausarbeit vorlegen.

Kein Wunder, dass mir der Bachelor ständig im Kopf herumspukt. Ich würde mich gerne ausgiebig mit diesem Gespenst beschäftigen. Zum Beispiel fände ich es interessant, die Bachelor-Studienordnung für Geschichte zu lesen. In den ersten Wochen hätte ich die Muße noch gehabt, aber da war sie nur „vorläufig“. Jetzt kann ich mir diesen Luxus vor lauter Prüfungslernen nicht mehr gönnen. Das kommt davon, wenn man vor lauter Lernen nichts mehr versteht.

Florian Urschel (20) machte 2003 Abitur

in Berlin und absolvierte dann seinen Zivildienst. Jetzt studiert er Deutsch und Geschichte an der Freien Universität Berlin – auf Lehramt.

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