Gesundheit : Ein giftiges Gas, das Leben schenkt

Kohlenmonoxid hält Blutgefäße länger durchlässig

Hartmut Wewetzer

Kohlenmonoxid – das ist jenes tückische Gas, das in schlecht gewarteten Kohleöfen entsteht, mit dem Zigarettenrauch eingesogen wird und aus manchem Autoauspuff entweicht. Kohlenmonoxid ist farblos, geruchlos und sehr giftig. Aber das potenziell tödliche Gas steht vielleicht vor einer ganz neuen Karriere: als Heilmittel. Denn nun haben Forscher festgestellt, dass Kohlenmonoxid helfen kann, verengte Blutgefäße offen zu halten und Gefäßverkalkung zu bremsen.

2001 wurden in Deutschland bei bei rund 200000 Patienten schlecht durchblutete Herzkranzgefäße mit einem winzigen Luftballon aufgedehnt. Der Ballon wird mit einem dünnen Schlauch, einem Katheter, bis zur engen Stelle im Herzgefäß vorgeschoben und dann aufgeblasen. Die Herzinfarktgefahr ist gebannt oder zumindest deutlich verringert. Das Problem: Bei jedem dritten Patienten „wächst“ das Gefäß wieder zu. Auf diese Weise reagiert es auf die vermeintliche Verletzung durch den Ballon. Neue Behandlungen sind erforderlich.

Hier setzt das amerikanische Wissenschaftlerteam unter Leitung von Leo Otterbein von der Universität von Pittsburgh an. Die Forscher testeten Kohlenmonoxid an Ratten. Vor dem Eingriff atmeten die Tiere eine Stunde lang Kohlenmonoxid in niedriger Dosis ein. Dann wurden die Hirnschlagadern der Tiere mit einem Ballon blockiert und auf diese Weise eine „Verletzung“ des Gefäßes simuliert. Die als Reaktion zu erwartende Wucherung der Gefäßinnenhaut war bei mit Kohlenmonoxid behandelten Tieren auf ein Viertel verringert, schreiben die Forscher im Fachblatt „Nature Medicine“.

Ähnlich erfolgreich war die „Gastherapie“ bei verpflanzten Blutgefäßen. Denn nach Transplantationen verengen sich nicht selten die Blutgefäße im Spenderorgan, weil der Körper an den Nahtstellen zu den neuen Blutgefäßen eine Verletzung annimmt und fehlgeleitete und überschießende Reparaturvorgänge in Gang setzt.

Schon länger ist bekannt, dass der Körper selbst in geringen Mengen Kohlenmonoxid bildet. Es entsteht beim Abbau des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin und hemmt Entzündungsprozesse im Organismus. Aber es ist überraschend, dass auch eingeatmetes Gas offenbar ähnliche Effekte hat.

„Die Tatsache, dass einstündiges Einatmen von niedrig dosiertem Kohlenmonoxid die Folgeschäden einer Ballonaufweitung deutlich verringert, spricht für den Einsatz beim Menschen“, schreiben die Forscher. Als Zwischenschritt testen sie das Gas jetzt beim Schwein.

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