Gesundheit : Ein Magazin für alle Berliner Hochschulen

MARTINA KRETSCHMANN

Kurze Texte, viele Tips, ein Interview / "bus" kommt zweimal im SemsterVON MARTINA KRETSCHMANN"Focus ist Klasse gemacht vom Marketing-Gesichtspunkt her, aber ich lese es kaum.Der Spiegel dagegen hat mir zu viele linkslastige Enthüllungsstories." Der junge Mann hat klare Vorstellungen davon, wie ein Magazin, das heutzutage bei den Lesern ankommen will, aussehen sollte.Muß er auch, denn mit 22 Jahren ist Nils Alwardt schon Chefredakteur - einer Studentenzeitung."bus", Berlins universelles Studentenmagazin, ist aber nicht irgendein Fachschaftsblatt, sondern "Berlins einziges Studentenmagazin für alle Universitäten und Fachhochschulen" und finanziert sich vollständig aus Anzeigen. Optisch kommt "bus" mit einem durchaus professionellen Aussehen daher.Das Titelblatt glänzend und vielfarbig, innen mit zahlreichen bunten Layout-Elementen und vielen verschiedenen Schrifttypen, damit beim Lesen keine Langeweile aufkommt.Nils Alwardt macht sich keine Illusionen: "Der durchschnittliche Leser liest das nicht von vorne bis hinten." Der Studierende brauche kurze Stücke, und "Kinotips liest man halt ganz gern"."bus" bietet reichlich von allem: Karriere, Bücher, Computer, Internet, Musik, Kino und Kultur heißen die festen Rubriken, die die Hälfte des Heftes einnehmen.Die andere besteht aus Hochschul-Nachrichten, "stories" zu studentischen Themen und einem Interview. Nils Alwardt hat früher bei einem privaten Radiosender in Nordrhein-Westfalen gejobbt und studiert jetzt an der TU Wirtschaftsingenieurwesen wie seine beiden Mitstreiter Birger Köpke (25) und Raoul von Metzen (23), mit denen er das Blatt vor zwei Jahren aus der Taufe gehoben hat."Auf den ersten Blick scheint unser Studienfach mit einer Zeitungsgründung nichts zu tun zu haben", sagt er selbst.Hat es aber doch, denn zuerst einmal mußten die drei eine Firma gründen und Anzeigenkunden finden."bus" erscheint zweimal pro Semester und kostet pro Ausgabe schlappe 15 000 Mark."Das ist aber auch das Spannende daran", findet der Jungredakteur.Sie wollten nie vom AStA finanziert werden."Wir wollen ein unabhängiges Magazin machen." Abhängig ist "bus" allerdings von seinen Werbekunden, und das führt schon mal dazu, daß publizistische Grundsätze überschritten werden - zum Beispiel die Trennung von Werbung und redaktionellem Teil.In einer "story" über die "Halbgötter in Turnhosen" der amerikanischen Basketball-Profiliga, die im Oktober in Berlin spielten, wird ein Berliner Privatradio mehrmals hervorgehoben.Bei den Computer- und Karrieretips tauchen die gleichen Firmennamen im Artikel und in der daneben plazierten Anzeige auf."Um solche Marketing-Strategien kommt man halt nicht herum", gesteht Alwardt zu und windet sich etwas. Wichtiger ist ihm aber, daß die Zeitung "keine Plattform für extremistische Standpunkte" bietet.Sie soll "objektiv informieren", und zwar so, daß es für alle Berliner Studenten interessant ist.Berichtet wird über das Uni-Radio ebenso wie über die Entscheidung des Verwaltungsgerichts zu den Uni-Gebühren, über Sekten an den Hochschulen und über studentische Projekte und Initiativen. In dem in jeder Ausgabe enthaltenen Interview gaben bereits Annette Fugmann-Heesing, Peter Radunski und eine AStA-Vertreterin ausführlich Auskunft über ihre Sicht der Berliner Hochschulpolitik."Es ist schwierig, Studenten zu finden, die über Hochschulpolitik schreiben wollen und können", sagt Nils Alwardt."Mir scheint, immer weniger Leute wollen sich für etwas engagieren." Diese Konsumhaltung ärgert ihn."Klar, das Organisieren und Koordinieren verschlingt tierisch viel Zeit." Da könne sich das Vordiplom schon mal um ein Semester verschieben."Aber was ist dem Personalchef später mal wichtiger: ein kurzes Studium oder das, was man noch nebenbei an Projekten auf die Beine gestellt hat?" 20 bis 25 Studenten verschiedener Fachrichtungen versuchen, sich bei "bus" erste journalistische Sporen zu verdienen.FU, HU und TU sind vertreten."Nur bei den Fachhochschulen waren wir noch nicht erfolgreich!" Auch wer noch nie etwas geschrieben habe, aber es gerne mal probieren möchte, kann sich bei dem gesamtberliner Uni-Magazin melden (Telefon 686 9394)."Wir sind auf die Angebote der Studenten angewiesen", sagt der Chefredakteur, "und wir können ein Sprungbrett sein." Vielleicht sogar später einmal zu Focus oder Spiegel?

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