Gesundheit : Ein Ofen im Innern der Kleinplaneten Radioaktive Wärmequelle entdeckt

Thomas de Padova

Vor ein paar Tagen hagelte es wieder einmal Meteoriten. In der Nähe von Chicago fielen mehrere faustgroße Steine und unzählige Kiesel vom Himmel. Drei Häuser wurden von tennisballgroßen Brocken getroffen, die in rasender Fahrt durch die Erdatmosphäre geschossen waren.

Mineralogen versuchen seit langem, die Botschaften solch himmlischer Steine zu lesen. Jetzt haben Mario Trieloff von der Universität Heidelberg und seine Kollegen anhand von Meteoriten die Frühgeschichte unseres Planetensystems rekonstruiert. Sie fanden heraus, dass sich die ersten kleinen Planeten in unserem Sonnensystem sehr schnell aus dem Staub des Urnebels gebildet haben. Himmelskörper von einigen 100 Kilometern Durchmesser sind bereits in den ersten Millionen Jahren nach Geburt der Sonne entstanden.

Ein Puzzlespiel aus einem Dutzend Meteoriten führte die Forscher zu dieser Erkenntnis. All diese Meteoriten stammten von einem gemeinsamen Mutterkörper. Es waren Bruchstücke aus unterschiedlichen Schichten dieses Asteroiden. Die Analyse ihrer Zusammensetzung erlaubte es nun erstmals, den einstigen Asteroiden wie eine Zwiebel, Schicht für Schicht, zu entblättern.

Die Forscher stellten fest, dass einige Steine einmal sehr warm gewesen waren: bis zu 800 Grad Celsius. Und es hatte rund 160 Millionen Jahre gedauert, ehe sie auf 120 Grad Celsius abgekühlt waren. Diese heißen Steine kamen aus dem Inneren des Asteroiden, berichten die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Nature“ (Band 422, Seite 502). Die kälteren Steine der äußeren Schichten waren dagegen innerhalb von wenigen Millionen Jahren abgekühlt.

„Der Asteroid wurde von innen erhitzt“, sagt Mario Trieloff dem Tagesspiegel. Und er glaubt auch die Ursache dafür zu kennen, die Wärmequelle. „Unserem Modell zufolge wurde der Asteroid durch den Zerfall von Aluminium-26 aufgeheizt.“

Aluminium-26 ist ein radioaktiver Stoff, der im Sonnensystem ursprünglich weit verbreitet war. Aber er zerfiel recht schnell unter Wärmeabgabe in mehrere Spaltprodukte. Die Halbwertszeit von Aluminium-26 beträgt 720000 Jahre: Nach 720000 Jahren war also nur noch die Hälfte des ursprünglich vorhandenen Aluminiums vorhanden, nach 1,44 Millionen Jahren nur noch ein Viertel und so fort. Wenn das Aluminium-26 im Innern des Asteroiden also tatsächlich einst als effektiver radioaktiver Ofen fungiert haben soll, dann muss sich der Himmelskörper schon in den ersten Jahrmillionen nach Entstehung des Sonnensystems gebildet haben. Denn die Wärmewirkung der radioaktiven Quelle war bald darauf aufgebraucht.

Die Vorstufen der Planetenentwicklung, die über den Staub und Gesteine zu großen Asteroiden und schließlich zu Planeten wie der Erde führten, wurden folglich schnell durchlaufen. Und da sei unser Sonnensystem keine Ausnahme, sagt Trieloff. „Die Planetenentstehung im Kosmos ist keineswegs ungewöhnlich.“

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