Gesundheit : Ein Schuljahr mehr Unterricht in Bayern Studie zeigt Gründe für Leistungsunterschiede der Schüler

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Von Bärbel Schubert

Die deutschen Bundesländer organisieren ihre Schulen so unterschiedlich wie nur möglich. Was bisher nur Eltern nach einem Umzug über Bundesländergrenzen hinweg aus leidvoller Erfahrung berichteten, belegt jetzt die wissenschaftliche Studie „16 deutsche Schulsysteme auf dem Prüfstand“, die die beiden Essener Wissenschaftler Klaus Klemm und Gertrud Hovestadt erstellten.

Ein wichtiges Ergebnis: in Bayern erhalten die Schüler von der ersten bis zur neunten Klasse laut Stundenplan über 1000 Unterrichtsstunden mehr als in Nordrhein-Westfalen. Dieses Volumen entspricht einem ganzen zusätzlichen Schuljahr. Ähnliche viele Unterrichtsstunden wie in Bayern erhalten die Schüler in Thüringen und Sachsen. Eine ähnliche Stundenausstattung wie Nordrhein-Westfalen haben Brandenburg, Hamburg und Hessen.

Die Unterschiede im Stundenvolumen spiegeln sich nicht unmittelbar in den Ausgaben: So wandte Bayern für seine Schüler 4800 Euro pro Kopf und Jahr auf, Nordrhein-Westfalen 4300. Damit liegt Bayern über dem Bundesdurchschnitt von 4500 Euro pro Schülerkopf und Jahr, Nordrhein-Westfalen darunter. Die höchsten Ausgaben haben erwartungsgemäß die Stadtstaaten Hamburg (6200 Euro), Bremen (5700 Euro) und Berlin (4900 Euro) – die geringsten die ostdeutschen Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen mit 3900 Euro pro Jahr.

Gründe für Leistungsunterschiede

Drei Wochen vor Veröffentlichung des Schulleistungsvergleichs zwischen den deutschen Bundesländern, Pisa-E, will die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), in deren Auftrag die Studie erstellt wurde, mit dem Papier auf die Unterschiede zwischen den Schulsystemen der Länder aufmerksam machen. Die Daten geben Erklärungsansätze für sonst anscheinend gottgebene, tradierte Unterschiede oder gar schlichte parteipolitische Ansätze. „Bei diesen großen Unterschieden wäre es überraschend, wenn die Bundesländer ähnlich abschnitten“, sagte GEW-Vorstandsmitglied Marianne Demmer nach der Präsentation.

Ein Ergebnis des internationalen Pisa-teils spiegelt sich in den Schüler-Lehrer-Zahlen: In allen Bundesländern haben die Grundschulen die meisten Schüler pro Lehrer. dabei sind gleichzeitig die Unterschiede von Land zu Land besonders groß: In Baden-Württemberg unterrichtet ein Grundschullehrer im Durchschnitt 23 Kinder, in Hamburg sind es 16. Je älter die Schüler werden und je höher das Leistungsniveau, desto mehr Lehrer stehen für ihren Unterricht zur Verfügung. Das gilt bundesweit mit Ausnahme von Thüringen. Dort müssen Gymnasiallehrer in der Mittelstufe (Klasse fünf bis zehn).

Große Unterschiede bei Abiturquote

Zu erwarten ist nach diesen Zahlen, dass Bayern bei Pisa-E mit guten Ergebnissen vertreten sein wird. Allerdings führt es mit nur knapp 20 Prozent seiner Schüler allerdings den bundesweit geringsten Anteil zum Abitur. Der Anteil der Hauptschüler liegt gleichzeitig mit 43 Prozent bundesweit am höchsten. In Berlin sind dies 32 Prozent, in Bremen gut 40 Prozent. In den anderen Bundesländern dagegen ist die Realschule auf dem Vormarsch. Knapp 60 Prozent der Schüler besuchen sie in Niedersachsen, knapp 57 Prozent in Sachsen-Anhalt. Die Gymnasialquoten fallen erwartungsgemäß in den Stadtstaaten besonders hoch aus. So erreichen in Hamburg fast 50 Prozent eine Hochschulreife.

Auch die Fachhochschulreife hat in einigen Ländern deutlich an Popularität gewonnen: So erreichen in Hamburg 17,5 Prozent der Hochschulzugangsberechtigten diese für Fachhochschulen. Auch Nordrhein-Westfalen bildet hier 15 Prozent seiner Schüler aus, Hessen fast zwölf Prozent.

Die Bilanz der Schulabgänger ohne Abschluss markiert auch in dieser Statistik die Problemzone: Mit 13,5 Prozent seiner Schulabgänger erreicht Thüringen hier einen traurigen Rekord. Doch auch Hamburg (12,3 Prozent) und Sachsen-Anhalt (12 Prozent) liegen im Spitzenbereich. Gute Werte erzielt Nordrhein-Westfalen mit 6,2 Prozent.

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