Gesundheit : Ein Zwerg auf den Schultern von Riesen

Kleiner und billiger: Europas Raumsonden haben sich ihren Platz im Weltraum erobert

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Der Airbus 380 stellt viele andere Entwicklungen in den Schatten. Er ist der Publikumsmagnet bei der am heutigen Dienstag beginnenden Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin. Neben dem weltgrößten Passagierflugzeug sind Raumsonden Zwerge. So auch der mannshohe Venus-Orbiter, der vor wenigen Tagen in seine endgültige Umlaufbahn um unseren Nachbarplaneten eingeschwenkt ist. Das nur 1200 Kilogramm schwere Raumfahrzeug versetzt europäische Forscher jedoch in die Lage, einen Millionen Kilometer entfernten Planeten zu erforschen. Es kommt bis auf 250 Kilometer an die Oberfläche der 450 Grad heißen Venus heran.

Während es im Wettbewerb zwischen Airbus und Boeing um größere und um schnellere Maschinen geht, hat die europäische Raumfahrtagentur Esa das einstige Motto „Kleiner und billiger“ ihrer Schwesterorganisation Nasa kopiert. Und fliegt gut damit, dass amerikanische Forscher immer öfter nach Europa schielen, um als Projektpartner anzuheuern.

Technisch gesehen verfolgt die Esa in der unbemannten Raumfahrt einen eigenen Weg. Er liegt irgendwo zwischen der innovativen, aber fehleranfälligen Nasa- Strategie und jenem russischen Konservatismus, der zwar die zuverlässigsten Systeme, aber kaum technische Neuerungen und damit auch keinen Mehrwert für Industrie und Technik hervorbringt. Das Erfolgsrezept der Europäer heißt: Entwicklungslinien über längere Zeit fortzuführen und mehrmals hintereinander Raumfahrzeuge derselben Bauart zu benutzen. Das spart Kosten und Bürokratie, wie sie mit der Vergabe von Industrieaufträgen in einer Staatengemeinschaft verbunden sind.

Gleich drei europäische Raumfahrzeuge, die in unserem Planetensystem unterwegs sind, beruhen auf ein und derselben Technik: Der Venus-Orbiter ist eine fast identische Kopie der seit mehr als zwei Jahren um den Planeten Mars kreisenden Raumsonde „Mars-Express“, für deren Bau bereits die Kometensonde „Rosetta“ Modell stand. So konnte die Esa aus Fehlern lernen und ihr Raumfahrzeug schrittweise optimieren.

Auch die nächste Entwicklung ist bereits unterwegs: Bei der Mondmission „Smart-1“ haben Europas Ingenieure eine völlig neue Antriebstechnik ausprobiert: den langsamen, aber treibstoffarmen und preiswerten Ionenantrieb. Zwei weitere Raumfahrzeuge sollen auf dieselbe Weise Merkur und Sonne umrunden, ehe von 2015 an ein weiterentwickelter Antrieb zum Einsatz kommt.

Verglichen mit der Luftfahrt, ist die europäische Raumfahrt eine junge Technik: ein Zwerg auf den Schultern von Riesen. Doch der schaut weit ins All hinaus. tdp

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