Gesundheit : Einbrecher an der Uni

Nächtliche Diebstähle an der TU Berlin verunsichern Mitarbeiter

Anja Kühne

Die TU Berlin leidet unter Einbrechern. Seit Februar seien 60 Einbrüche in Büros, Lehrräume und Labors registriert worden, sagte ein Polizei-Sprecher auf Anfrage. Schränke würden aufgebrochen, Geldkassetten, Fotoapparate, Laptops oder Projektoren gestohlen. Die Polizei schätzt den Schaden auf 30 000 Euro. Zusätzliche Kosten entstehen dadurch, dass die Täter die Türen gewaltsam aufhebeln. „Es wird brutal zur Sache gegangen“, berichtet Ulrike Gutheil, die Kanzlerin der TU. Die Einbrecher rissen die Türen mit dem Rahmen aus der Wand. Im November hat es nach Angaben der Polizei sieben Einbrüche gegeben, im Mai seien es sogar 16 gewesen. Hinweise auf die Identität der Täter gebe es nicht.

Während sich die Taten nach Angaben der Polizei über den ganzen Campus verteilen, ist aus Sicht der TU besonders das Institut für Softwaretechnik und Theoretische Informatik in der Charlottenburger Franklinstraße Zielscheibe der Einbrecher. Seit Mai sei das verwinkelte Gebäude mehrfach von Dieben heimgesucht worden. Allein im November habe es dort vier Einbrüche gegeben. Dabei seien drei Flachbildschirme und zwei Monitore sowie zwei Laptops entwendet worden. „Massiv betroffen“ sei vor allem eine neu berufene Informatik-Professorin, sagte Gutheil: „Die Mitarbeiter sind verunsichert.“ Manche arbeiteten noch am späten Abend oder gar nachts und hätten Angst, den Einbrechern, die offenbar immer wieder kämen, zu begegnen. Den entstandenen Sachschaden an diesem Institut beziffert Gutheil auf etwa 5000 Euro.

Handelt es sich vielleicht um Beschaffungskriminalität Drogensüchtiger, wollten Uni-Angehörige unlängst im Akademischen Senat wissen. Eine Mitarbeiterin schilderte dem Gremium sichtlich bewegt, wie sie unlängst nach Einbruch der Dunkelheit im Gebäude für Bergbau und Hüttenwesen am Ernst-Reuter-Platz einem Fixer begegnet war, der gerade dabei war, sich einen Schuss zu setzen. Drogensüchtige, wohl von der nahen Szene am Bahnhof Zoo, tauchen an der Uni hin und wieder auf: „Wenn man ein Gebäude im Griff hat, ziehen sie einfach eins weiter“, sagte Kanzlerin Gutheil. Doch sieht sie keinen Zusammenhang zu der Einbruchserie in der Franklinstraße – ebenso wenig wie die Polizei. Fixer agierten anders. Sie seien meist Einzeltäter, die nur schnell zugreifen und wieder verschwinden. Doch die Räume an der TU würden „regelrecht geleert“, sagte der Polizeisprecher. Ein Einzeltäter sei dazu nicht in der Lage.

Wie die Einbrecher mit den Computern unbeobachtet am Pförtner vorbeikommen, ist den Mitarbeitern der Uni ein Rätsel. Das Wachpersonal für die Hochschule komme von einer renommierten Sicherheitsfirma, sagte Gutheil. Die Universität werde alles tun, um die Einbrüche zu unterbinden. Die Polizei hat bereits Maßnahmen ergriffen.

Auch an der Humboldt-Universität hat es immer wieder Wellen von Diebstählen gegeben. Im vergangenen Sommer hatte sich das Präsidium der Hochschule über „organisierte Banden“ beklagt, die es vor allem auf Beamer, also elektronische Projektoren, abgesehen hätten. Die Polizeidirektion in Berlin-Mitte konnte damals jedoch „kein ernsthaftes Problem“ erkennen: Die Universität gehe zu sorglos mit Wertgegenständen um. Bis zum August 2004 waren 41 Diebstähle registriert worden, darunter waren aber auch Handtaschen oder Kaffeetassen. Über die jetzige Lage an der Hochschule wollte sich das Präsidium nicht äußern. Die Freie Universität teilte mit, Diebstahldelikte bewegten sich seit Jahren „auf sehr niedrigem Niveau, unsere Sicherheitsmaßnahmen greifen“.

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