Gesundheit : Eine Ausstellung über die "Kulturlandschaften Eurasiens" im Naturkundemuseum in Berlin

Claudia Kurreck

Inmitten der Berglandschaft von Tien-Shan in Kirgistan liegt das Reich des Schneeleoparden. Nur wenige Menschen haben die scheue Wildkatze bisher in freier Wildbahn beobachten können. Jetzt gehört sie neben dem Tiger und dem Amurleopard zu den vom Aussterben bedrohten Tieren. In Kirgistan sinkt der Bestand alamierend: Seit 1992 ist die Gesamtpopulation des Schneeleoparden um 50 bis 80 Prozent gesunken. Denn mit der Auflösung der Sowjetunion brachen alle Schutzsysteme für den Schneeleoparden zusammen. Zuvor durften nur vom Regime Begünstigte seine Jagdreviere betreten. Jetzt sind die Knochen und das Fell heiß begehrt, denn sie bringen viel Geld auf den inländischen Märkten.

Dem Schneeleoparden wollen der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) gemeinsam mit den Umweltschutzorganisationen Aidenvironment (Niederlande) und dem Nature Conservation Bureau (Großbritannien) durch die Einrichtung von Biosphärenreservaten im Osten Europas und Asiens helfen. Der Nabu dokumentiert seine Arbeit nun anhand der Ausstellung "Kulturlandschaften Eurasien" im Berliner Museum für Naturkunde..

"Im Osten haben wir ähnliche Probleme wie vor 150 Jahren im Westen mit den Indianern. Wir wollen hier jedoch Räume schaffen, in denen die Natur und die Kulturen der Steppen-, Nomaden- und Tundravölker gesichert werden", sagte Michael Succow, Vizepräsident des Naturschutzbundes, bei der Ausstellungseröffnung. Der Nabu hat sich denn auch in Osteuropa und den GUS-Staaten zwei Schwerpunkte gesetzt: die Unterstützung von Nichtregierungsorganisationen und die Beratung von Regionen und Umweltverbänden bei der Errichtung von Biosphärenreservaten und Welterbegebieten im Auftrag der Unesco.

In Russland gibt es bereits vier Schutzgebiete, die in die Liste "Weltnaturerbe" der Unesco aufgenommen wurden. Der Kaukasus soll nun als fünfte Region hinzukommen. "Durch dieses Programm besteht die Möglichkeit, die wertvollsten Naturräume in den ehemaligen Sowjetrepubliken, die zu den Biodiversitätszentren und spektakulärsten Landschaften der Welt gehören, erstmals unter den Schutz der Weltgemeinschaft zu stellen", erklärte Thomas Tennhardt, Nabu-Präsidiumsmitglied.

Mit der industriellen Nutzung und der Verstädterung wurden Kulturlandschaften, die sich seit über 8000 Jahren entwickelt haben, zu reinen Produktionsflächen umfunktioniert Damit gehen ihre Regenerationsfähigkeit, kulturelle und biologische Vielfalt sowie der Erholungswert zunehmend verloren. Um sie wiederherzustellen, ist eine Umorientierung notwendig. Dazu sollen Projekte wie beispielsweise die Förderung der Yak-Zucht, der Schutz der letzten Schneeleoparden oder die Entwicklung von Biogas-Anlagen beitragen. Die Yaks gehören zur Familie der Rinder und zeichnen sich durch hohe Belastbarkeit und gute Anpassung an das kirgisische Klima aus.

Diese und andere Projekte werden nun in der Wanderausstellung des Nabu bis zum 3. Januar 2000 vorgestellt. Auf Stelltafeln werden beispielsweise Fotos der Kulturlandschaften Nordeurasiens gezeigt. Der Besucher bekommt auf diese Weise einen Eindruck von der Vielfältigkeit der Landschaften und Kulturvölker Eurasiens. Auch dem Schneeleoparden wird viel Platz eingeräumt. Fotos zeigen dieses selten gewordene Tier in seiner natürlichen Umgebung und was mit ihm passiert, wenn Wilderer ans Werk gehen. In einem Schaukasten ist das Fell des Leoparden zu sehen. Die kleine Ausstellung ist informativ, erfordert vom Besucher aber viel Aufmerksamkeit. Denn die klein geschriebenen Texte auf engem Raum sind nicht für einen schnellen Konsum geeignet.Museum für Naturkunde, Invaliedenstraße 43, Berlin-Mitte, dienstags bis sonntags 9.30 bis 17 Uhr, montags ist geschlossen.

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