Gesundheit : Eine Chefin für die Uni Hamburg

Raketenforscherin wird neue Präsidentin

Tilmann Warnecke

Eine Raketenforscherin wird neue Präsidentin der Universität Hamburg. Monika Auweter-Kurtz wurde gestern vom Akademischen Senat als neue Chefin der Universtät bestätigt; der Hochschulrat hatte sie bereits Ende letzter Woche gewählt. Auweter-Kurtz war die einzige Kandidatin an. Die 55-Jährige tritt die Nachfolge von Jürgen Lüthje an, der die Hochschule seit 1991 führte.

Die gebürtige Stuttgarterin war bisher stellvertretende Leiterin des Instituts für Raumfahrtsysteme an der Uni ihrer Heimatstadt. Elektrische Raumfahrtantriebe gehören zu einem ihrer Forschungsthemen, ebenso die Frage, wie Raumfahrzeuge sicher in die Atmosphäre anderer Himmelskörper eintreten. Auweter-Kurtz war zuvor wissenschaftliche Direktorin der nationalen Raumfahrtbehörde Japans. Sie ist die einzige Professorin für Luft- und Raumfahrttechnik in Deutschland. 1999 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz.

Um Auweter-Kurtz’ Kandidatur hatte es im Vorfeld heftigen Streit gegeben. Die Kritik entzündete sich daran, dass sie auch das Steinbeis-Transferzentrum Plasma- und Raumfahrttechnologie in Stuttgart leitete – das unter anderem mit dem Rüstungskonzern Bayern-Chemie Protac zusammenarbeitet.

Studierendenvertreter warfen Auweter-Kurtz vor, sie habe in dieser Funktion „nicht nur Grundlagenforschung für die Raumfahrtindustrie, sondern auch Geschäfte mit der Rüstungsindustrie“ betrieben. Auch Professoren sollen Bedenken gegen die Wissenschaftlerin geäußert haben. Auweter-Kurtz stritt die Vorwürfe ab.

Nach der Wahl durch den Hochschulrat hatte es geheißen, die Uni Hamburg solle in Auweter-Kurtz’ Amtszeit zu einer „deutschen Spitzenuniversität“ werden, die „sich mit europäischen Spitzenuniversitäten messen kann“. Die Hochschule hatte vor kurzem bekannt gegeben, dass sie sich in der zweiten Runde des Elite-Wettbewerbs nun auch um den begehrten Elite-Status bewerben wolle. In der ersten Runde hatte Hamburg nur Anträge für Graduiertenschulen und große Exzellenzcluster gestellt.

Auweter-Kurtz’ Vorgänger Jürgen Lüthje, der jetzt in den Ruhestand geht, führte die Universität Hamburg 15 Jahre lang. Unter dem Juristen entwickelte sich die Hochschule in der Forschung. Inzwischen hat sie wieder sieben Sonderforschungsbereiche. Im jüngsten Forschungsranking des Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) landete die Hochschule im gehobenen Mittelfeld, allerdings deutlich hinter der Freien Universität und der Humboldt-Universität aus Berlin. Die Universität Hamburg ist die fünftgrößte Uni Deutschlands. Derzeit sind fast 40 000 Studenten eingeschrieben, die von 850 Professoren betreut werden.

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